Bascha Mika geht hart mit Frauen ins Gericht

Die Vortragsreihe „Powerfrauen 2012 – Von den Besten profitieren“ wurde durch eine Rede von Bascha Mika über „Männer, Machos und Machtrituale.“ komplementiert. Sie redete über die Möglichkeiten von Frauen und darüber wie sie die Männerwelt verändern können.

Eine Veranstaltungsreihe der Stuttgarter Nachrichten und ihrem Partner „Unternehmen-Erfolg“ laden für ihre Vortragsreihe hochkarätige Referentinnen ein, die je nach Interessensgebiet ein Stück von ihrem Wissen teilen. In diesem Rahmen war auch Bascha Mika am 24.04.2012 eingeladen. Mika ist eine deutsche Journalistin und Publizistin und war von 1999 bis 2009 Chefradakteurin der taz. Sie ist nicht gerade für ihre leise Art bekannt, sondern sagt gerne, was sie denkt. So auch an diesem Abend: Die „Feigheit der Frauen“ sei daran schuld, dass die Damenwelt zu wenig in den Führungsetagen vertreten ist. Viel zu häufig unterwerfen sich gut gebildete Frauen dem Diktat der Männer, sagt Mika. Die Frage, ob es Gewohnheit, fehlende Dominanz oder einfach Angst vorm Unbekannten ist, bleibt unbeantwortet im Raum stehen.

Der Mann als Mittäter

„Männer haben uns Frauen ausgetrickst und abgewatscht, mit falschen Versprechen gelockt und mit Kind und Küche allein gelassen.“, provoziert die 58-Jährige. Doch was nun folgt, gleicht keiner Kapitulation, sondern zeigt, dass Mika die Frauen als entwicklungsfähig einschätzt. Schließlich fordert die Damenwelt schon mehrere Jahrzehnte in der gleichen Leier, dass es Gleichberechtigung geben soll, Unabhängigkeit, gleiche Gehälter, mehr Selbstbestimmung und vieles mehr. Und doch haben wir uns laut Mika zu sehr aufs Klagen eingeschossen und verlernt zu handeln, uns das zu nehmen, was uns zusteht. „Wir wollen doch alles! Wir können doch alles! Jetzt müssen wir es endlich auch tun!“, erklingt ihr Schlusssatz des Vortrages – einem Schlachtruf gleich.

Entwicklungspotential Konflikt

In Mikas Buch „Die Feigheit der Frauen. Rollenfallen und Geiselmentalität. Eine Streitschrift wider den Selbstbetrug“, welches sie im letzten Jahr veröffentlichte, kann man nachlesen, woher die fehlende Streitlust der Frauen kommt. Männer jedenfalls entscheiden aus einer sehr einfachen Perspektive heraus: Frauen wollen keine echte Karriere machen, schließlich ist das Leben in den Führungsetagen sehr hart – zu hart. Sie wollen sich dem „Stress und dem Zeitdruck, den Ritualen und der Gockelei gar nicht stellen“, heißt es.

Vielleicht ist da ein Körnchen Wahrheit dabei. Aber was soll schlimm sein daran, sich so einem Arbeitsalltag nicht stellen zu wollen? Frauen wollen eben nicht die Regeln und Rituale von Männern befolgen, sondern nach ihrer eignen Pfeife tanzen. Die Feministin möchte uns zum Pfeifenschnitzen und –spielen animieren. Doch sie weiß, dass es bis zur Umsetzung noch eine lange Zeit brauchen wird.

Sie beschreibt die momentane Situation sehr drastisch in ihrem Buch. „Der Mann als Versorger draußen in der Welt, die Frau daheim bei Haus und Kindern, vielleicht mit einem Halbtagsjob. Er zahlt bar, sie mit Lebenszeit und Eigenständigkeit. Ein schleichender Prozess der weiblichen Selbstabwertung.“ Kompromisslos bezeichnet sie den Großteil der Damenwelt dem Kümmersyndrom erlegen und möchte uns mit ihrem Debattenbuch wachrütteln. Streiten, dagegen sein, kostet zu viel Energie. Verantwortung für sich selbst übernehmen, hat noch nie Spaß gemacht. Und Krach in der Ehe, um ein neues Rollendenken zu erreichen, mag auch niemand.

„Leben von hinten her“ müsse man denken, meint Mika. Schließlich danke es einem kein einziger Mann am Ende, wenn man für ihn die Karriere geopfert hat und zwischen Haus und Staublappen im Kinderalltag festsitzt. Das Geschlecht und das damit verbundene traditionelle Rollenbild sollte nicht darüber entscheiden, ob Frauen Karriere machen oder nicht, sondern sie selbst.

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