Welche Unternehmensspitze kann frau zukünftig bekleiden?

Die Frauenquote soll nun bis 2020 erfüllt sein. Doch wo bewerbe ich mich als Frau am besten? Welche Unternehmen suchen? Welche haben schon gefunden?

Nach wochenlanger Diskussion in der EU-Kommission hat man sich entschieden, dass in Europas börsennotierten Aufsichtsräten eine Frauenquote gelten soll. Die EU-Justizkommissarin Viviane Reding hat diesen Gesetzentwurf, den das Gremium nun auch verabschiedet hat, maßgeblich durchgefochten. Die Auflage besagt, dass die etwa 5.000 Unternehmen bis 2020 die Aufsichtsratspositionen zu 40 Prozent mit weiblichen Wesen besetzen müssen. Falls sich Firmen weigern die Quote zu erfüllen, warten „wirksame und abschreckende“ Sanktionen. Die einzelnen EU-Staaten können sich jedoch noch stur stellen, sodass das Vorhaben scheitert.

Was bedeutet die Quote für die potentiellen Kandidatinnen bis 2020?

Frau sollte sich in Zukunft an den Unternehmen orientieren, die die größte Lücke zwischen aktuellem Stand und Quotenerfüllung aufweisen. Denn hier wird in Zukunft in der Führungsebene eingestellt werden müssen. Die Wirtschaftskanzlei Graf von Westphalen hat eine Statistik des Bundesministeriums für Familie für die Prognose der Karriere von Managerinnen herangezogen. Was dabei heraus kam: Adidas möchte zu Anfang 2016 unbedingt mehr als 30 Prozent Weiblichkeit im Management wissen. Auch Volkswagen, Allianz und Beiersdorf haben sich immerhin den Vorsatz von einem Drittel Frauenquote gesetzt. Die größte Aufholjagd in Sachen Fraueneinstellung wird der Dax-Konzern Volkswagen in Angriff nehmen müssen. Denn um die anvisierten 30 Prozent zu erreichen, muss das Unternehmen mehr als 20 Prozent Frauen neu einstellen.

Weniger Interesse an Bewerbungen von Frauen werden die Unternehmen Daimler, Deutsche Lufthansa, Münchener Rück, BASF und Kali+Salz AG zeigen. Zum einen haben sie sich nicht das Ziel der Quotenerfüllung zur baldigen Aufgabe gemacht und zum anderen können alle bis auf K+S schon auf relativ viele Frauen in den Führungsposten verweisen. Der Nachholbedarf hält sich also in Grenzen.

Auch ein Vorteil für die Männer?

Männer graut es vor der nächsten Einstellungswelle. Jahrelang haben einige auf den Führungsposten hingewirkt, der Chef versprach unter vorgehaltener Hand so einiges und nun soll das alles nicht zählen, denn Frauen werden dank der Quote bevorzugt. Daran können auch die alten Seilschaften nichts ausrichten. Manche der Herren werden sich übergangen fühlen und ihre Kolleginnen mit Fehlverhalten sowie Nichtakzeptanz abstrafen. Doch das ist nur die kleinste Form der Wehr. Denn Männer können das Unternehmen bei besserer Eignung und trotzdem erhaltener Ablehnung auf Schadensersatz wegen geschlechtsbezogener Diskriminierung verklagen. Nur bei gleicher Eignung darf eine Frau bevorzugt werden. Doch wie will die Firma das immer genau begründen, warum sie einen Kandidaten ablehnt? Wann ist man besser geeignet, wann nicht? Es gibt keine einheitlichen Merkmale zur Einschätzung dessen. Der Personaler wird also in Zukunft sehr stark darauf achten, schwammigen Begriffen einen genauen Inhalt zu geben bzw. einen nachvollziehbaren Grund für sein „Nein“ gegenüber den Männern zu finden.

Flexiquote – das Allheilmittel für alle?

Die Empfehlung für alle Unternehmen, der Quotenerfüllung jedoch nicht dienlich, wäre es eine flexible Quote einzusetzen. Damit können die Personaler einzelne Bewerber trotz gleicher Qualifikation aufgrund „sonstiger Gründe“ annehmen oder nach Hause schicken. Der Europäische Gerichtshof hat die Gültigkeit einer solchen Regelung bereits geprüft und für gültig befunden.

Trotz des Beschlusses der EU-Kommission ist die Frauenquote von 40% bis 2020 noch keine in Stein gemeißelte Zukunftsprognose. Denn die einzelnen EU-Staaten, darunter vor allem Deutschland, wehren sich stark gegen das Abkommen. Und wo ein Wille ist, Schlupflöcher zu finden, da wird auch ein Weg sein.

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