Beim Weltwirtschaftsforum in Davos regierten die Frauen

Die Damenwelt versteckt sich nicht mehr in Hinterzimmern, sondern ist gefragter denn je.

Es ist gar nicht lange her, da waren Frauen in Davos nur die Begleitung für Männer. Sie bekamen ein hübsches Schildchen in der Farbe, die Ehefrau bedeutet und wurden in extra Räume geführt, um das Damenprogramm zu absolvieren. Dabei ging es dann nicht um gesellschaftliche Diskussionen, sondern die Damen durften sich Kunst anschauen, shoppen oder skifahren. Wer schrecklich interessiert war, dürfte sich auch zu den Männern reinschleichen und ihnen in stummer Betrachtung beim Weltverbessern zuhören.

Im Jahre 2013 ist an solch eine Vorstellung nicht mehr zu denken. Und keiner möchte sich ernsthaft ausmalen, dass Christine Lagarde (IWF), Angela Merkel und Yahoo-Firmenchefin Marissa Mayer stumm daneben sitzen und den Vorschlägen der Männer tatenlos lauschen. Viel eher müsste man anfangen über ein Ehemännerprogramm nachzudenken, wenn man sich die Besucherliste in Davos anschaut. Deshalb werden für die Begleiter auch nur noch abgespeckte Unterhaltungsprogramme geboten und heißen geschlechtsneutral „leisure“. Denn in diesem Jahr gibt es einen männlichen Rekord unter der Begleitung: 36 Ehemänner reisten neben den 285 Gattinnen an.

Kein Wunder, denn die mächtigsten Frauen der Welt versammelten sich im Schweizer Weltwirtschaftsforum. Auf der Hauptbühne sah man unter anderem Sheryl Sandberg von Facebook, Aufsichtsrätin Ursula Piëch von Volkswagen, Telekom-Vorständin Claudia Nemat und zukünftige Aufsichtsrätin der Munich-Re, Ann-Kristin Achleitner.

Genderthemen sind out

Wenn über Wirtschafts- und Gesellschaftsthemen diskutiert wird, melden sich viele Frauenstimmen energisch zu Wort und es täuscht der Eindruck, dass hier die vom Veranstalter gewünschte Frauenquote von 25 Prozent nicht erreicht wurde. Denn wie auch 2011 sind nur 17 Prozent weibliche Teilnehmer vor Ort. Vor zehn Jahren betrug der Damenanteil ungefähr die Hälfte. Damals waren sie noch geladen, um vor allem das Genderthema außerhalb der Männerdomänen zu besprechen. Doch die Frauenpower heute setzt sich soweit durch, dass die Eröffnungsrede von Christine Lagarde gehalten wurde. Sie teilte mit den Anwesenden ihre Prognose über die Weltwirtschaft. Und in empathischer Manier fing sie ihr Referat nicht mit Fakten und Zahlen an, sondern hielt inne und widmete den Anfangsmoment „Malala, der Tochter Pakistans, und einer Tochter Indiens.“ Die beiden Frauen einte ein schlimmes Schicksal in jüngster Geschichte. Der einen wurde in den Kopf geschossen, weil sie sich für das Recht auf Bildung einsetzte und die andere junge Frau wurde brutal von mehreren Männern in einem Bus missbraucht und starb an den Folgen.

Lagarde appellierte aufgrund der zwei Beispiele daran, sich der Gleichberechtigung zu widmen und weiter für unterdrückte Frauen zu kämpfen. Dies war ein weiblicher, selten zuvor in der Geschichte von Davos erlebter Einstieg und doch berührter er jeden im Saal. Und dann beginnt sie fachmännisch mit der Zukunftaussicht: „Unsere Prognose zeigt Ansätze einer zerbrechlichen und ängstlichen Erholung“, sagt IWF-Chefin Christine Lagarde über den aktuellen Wirtschaftsausblick des internationalen Währungsfonds.Die heftigste Phase der Krise ist vielleicht überstanden. Doch die Aufarbeitung der Ursachen hat gerade erst angefangen.

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