Business Intelligence – das neu zu erobernde Feld für Frauen

Die Business-Intelligence-Beratungsfirma Cundus zeichnet gezielt Frauen für ihre besonderen IT-Dissertationen mit einem Award aus.

Barabara Linx ist eines von drei Vorstandsmitgliedern bei Cundus und augenscheinlich weiblich, was sich für ein IT-Unternehmen nur selten als Normalität feststellen lässt. Auch im Aufsichtsrat des mittelständischen Betriebes ist mit Beatrice von Buchwald ein Teil der Damenwelt vertreten. Alles gut, alles fortschrittlich könnte man nun urteilen. Doch weit gefehlt, denn auch in dieser IT-Firma wird händeringend nach neuen weiblichen Nachwuchskräften gesucht. Die Branche der Informatik ist immer noch eine, in der Männer kaum weibliche Konkurrenz fürchten müssen. Grund dafür ist das geringe Interesse seitens der Frauen an einem (Wirtschafts-)Informatikstudium, obgleich nach heutigem Erkenntnisstand Frauen ähnliche Grundvoraussetzungen wie Männer dafür in die Uni mitbringen. Jedoch bestehe immer noch eine erlernte Affinität zu Sozial- und Sprachwissenschaften.Mathe ist bislang nur selten das Lieblingsschulfach der Mädchen.

Laut einer repräsentativen Analyse der 700 IT-Unternehmen, die im Auftrag vom Hightech-Verband BITKOM durchgeführt wurde, arbeiten nur 15 Prozent Frauen in dieser Branche. Im IT-Management sitzen sogar nur vier Prozent weibliche Führungskräfte.

Um in der Öffentlichkeit noch stärker auf diesen Mangel aufmerksam zu machen, hat sich die Führungsebene von Cundus dazu entschieden, einen Award für eine grandiose Doktorarbeit ins Leben zu rufen. „Wir möchten Frauen Mut machen, mit gutem Beispiel vorangehen und zeigen, welche Chancen es für Frauen in der IT-Branche gibt“, erklärt Vorständin Lix den Einfall. Ausgezeichnet werden können Wissenschaftlerinnen aus den Fachgebieten: Informationstechnologie, Business Intelligence, Enterprise Performance Management, Controlling, Accounting, Taxation, Finance, Governance oder Governance, Risk and Compliance.

Es gehört mehr als eine herausragende Ausbildung dazu

Der erste Platz und die damit verbundenen 3500 Euro Preisgeld gingen erstmals an Petra Maria Asprion. Sie hatte ihre Dissertation 2011 mit „summa cum laude“ an der Berner Universität zum Thema „Funktionstrennung in ERP Systemen – Konzepte, Methoden und Fallstudien“ abgeschlossen. Den zweiten Platz verteilte das Unternehmen gleich zweimal aufgrund des „hohen Innovationsgrads, der Praxisrelevanz und der konzeptionellen Stärke der eingereichten Arbeiten“. Die Ehrung erhielten Verena Dorner von der Universität Passau und Elizaveta Kozlova, die an der Philipps-Universität Marbug promovierte.

Lix selber animiert Studentinnen auch persönlich in Referaten an der Universität dazu, eine Karriere in der IT-Branche oder in der Wirtschaft anzufangen. Doch selbst wenn die beste Ausbildung gegeben und der Wille der Frau stark ist, weiß die Unternehmungsleiterin: “ Statt Frauenquote sollten Politik und Gesellschaft dafür sorgen, Familien und damit Frauen bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu unterstützen, in dem genügend qualifizierte Plätze für Kinder während der Kleinkind-, Kind- und Schulzeit angeboten werden, die nicht nur von neun bis 16 Uhr gehen. Beruflich engagierte und karriereorientierte Eltern haben dann leider nicht immer Feierabend.“

Ob der Award und die damit verbundene Öffentlichkeit bald ein Mehr an Frauen in die IT-Berufe spült, wird erst die Zukunft zeigen können. Ab Februar hält Cundus auf jeden Fall schon wieder die Augen nach potentiellen Preisträgerinnen, also exzellenten Wissenschaftlerinnen, auf.

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