Die Neue an der Bildungsfront

Johanna Wanka, eine aus Ostdeutschland stammende Mathematikerin, besetzt ab sofort den Ministerposten für Bildung und Forschung. Einen Namen machte sie sich als Verteidigerin der Studiengebühren.

Annette Schavan, die Ministerin für Bildung und Forschung, musste zum Leidwesen vieler nun am Wochenende zurücktreten und eine andere Frau an ihre Stelle rücken lassen. Die Aberkennung ihres Doktortitels zwang Schavan letztlich zu dem politischen Schritt der Amtsniederlegung. Das den meisten unbekannte Gesicht der Johanna Wanka war in den letzten beiden Tagen fast in jeder Zeitung mit der Bildunterschrift Schavans Nachfolgerin zu sehen. Doch die Neue ist gar nicht mehr so neu in dem Geschäft der Bildung und Forschung, denn die CDU-Politikerin sammelte schon Erfahrungen als Wissenschaftsministerin. Zwischen den Jahren 2000 und 2009 leitete die 61-jährige Mathematikerin das Hochschulressort in Brandenburg. Nach dem Ende der großen Koalition im ostdeutschen Bundesland wechselte sie nach Niedersachsen und arbeitete als Wissenschaftsministerin unter Christian Wulff. Derzeit ist Wanka als Bildungskoordinatorin der CDU-regierten Bundesländer in der Kultusministerkonferenz tätig.

„VroniPlag“ lauert schon

Das Promotionsthema von Johanna Wanka „Lösung von Kontakt- und Steuerproblemen mit potential-theoretischen Mitteln“ wurde 1980 bearbeitet. Also, im gleichen Jahr in dem Annette Schavan ihre Dissertation abschloss. Die Gründer von „VroniPlag“ kündigten jetzt schon an, dass auch Wankas Doktorarbeit auf Plagiate geprüft werde. Der Nachweis wäre jedoch um einiges schwerer, da naturwissenschaftliche Werke nur von Experten untersucht werden können. Aber selbst wenn sich die Fachspezialisten an die Arbeit machen werden, muss sich die Dame wahrscheinlich keine Sorgen machen, denn sie gilt als kompetent – fast penibel. Außderdem darf man davon ausgehen, dass sich die Spitze der CDU intern schon einer Prüfung der Dissertation  im Vorfeld der Ernennung gewidmet hat. Schließlich möchte kein Unions-Politikern erleben, dass wiederholt eine Ministerin für Forschung und Bildung zu Fall gebracht werden kann.

Eine zweite Merkel?

In Ostdeutschland geboren und aufgewachsen, sich dem Studium der Mathematik gewidmet und mit einem Professor verheiratet, so ähnlich könnte auch die Biographie von Merkel anfangen, die auch außerhalb dieser Kenndaten erstaunlich viele Parallelen zu der von Wanka aufweist. Zum Beispiel zur Wendezeit engagierten sich beide auch politisch im Sinne der Demokratie. Man müsste meinen, dass die Frauen aufgrund ihrer Gemeinsamkeit Vertraute sind. Doch dem ist noch nicht so. Es kann aber werden, denn Wanka hat auch eine Menge mit den engsten Vertrauten von Merkel gemein. Sie ist eine hervorragende Managerin, wägt gerne das Für und Wider in Diskussionen ab, kann aber auch harte Konfrontationen handeln. Laut ihrer Meinung hat sie „die Schwäche, dass ich viel rede, diskutiere, gerne streite und manchmal ins Wort falle“. Eigentlich alles Eigenschaften, die man mit einem gesundem Forscherdrang verbindet. Man darf gespannt sein, ob sich Wanka in ihrer acht-monatigen Amtszeit als Hardlinerin, wie sie sich zur Thematik Studiengebühren gezeigt hatte, oder als farblose Ministerin offenbart.

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