Eine Entscheidung gegen die Frau oder gegen den französischen Staat?

Bis gestern sollte Anne Lauvergeon eigentlich noch EADS-Chefin werden.

An dem Fall Anne Lauvergeon könnte ein Exempel statuiert werden. Denn es geht schon lange nicht mehr nur um die Besetzung des Chefpostens des Rüstungs- und Raumfahrtkonzerns EADS. Sondern hier wird auf politischem Terrain gefochten. Hollande und Merkel hatten sich erst vor kurzem auf Lauvergeon als Verwaltungsratsvorsitzende geeinigt und per Verkündung darüber hinweg getäuscht, dass EADS eigentlich frei von staatlichen Einflüssen ist. Denn im vergangen Jahr entschied die Regierung, dass das Unternehmen nicht mehr staatlichen Entscheidungen unterworfen sei und eigenständig handeln dürfe. Thomas Enders, Chef von EADS, muss nun die Wahl treffen. Entweder beugt er sich dem Vorschlag von Hollande oder er und die Aktionäre handeln symbolisch bzw. aus Überzeugung dagegen.

Leittragende dieses Kampfes dürfte in jedem Fall jetzt schon Anne Lauvergeon sein. Obgleich sie gar nicht so scharf auf den Posten scheint. „Vielleicht erstaunt das, aber ich habe um nichts gebeten.“, sagte sie vor ein paar Wochen in einem Interview. Kein Wunder jedoch, dass sie trotzdem gefragt wurde. Die 53-Jährige ist eine starke Frau, die sich schon mehrfach durchsetzen musste. Die zweifache Mutter begann ihre Karriere als Beraterin von Mitterand und war bis 2011 unter Sarkozy Chefin des staatlichen Atomkonzerns Areva. Der Staatspräsident wollte sie jedoch in dem Jahr nicht weiter auf diesem Posten sitzen sehen und sprach sich gegen die Verlängerung ihres Mandates aus. Ein abruptes Ende der vielversprechenden Karriere von Lauvergeon, welches sie jedoch als Chance begriff sich ihrer Familie verstärkt zu widmen. Zudem gründete sie gemeinsam mit Léo Apotheker, ehemaliger SAP-Chef, die Investitionsplattform Efficiency Capital und einen Fonds zur Reintegration von jungen Arbeitslosen. Obendrein ist sie Mitglied im Komitee, welches die von Hollande angestrebte Energiedebatte leiten soll.

Eine unbequeme Frau

Fast nebenbei muss sie ihre Autobiographie „Die Frau, die standhält“ geschrieben haben. Anlass dafür war, wie sie sagt, dass sie sich nicht zur Komplizin machen lässt und so „inakzeptable Dinge“, die sie erlebt habe, öffentlich machen muss. Unschöne Sachen gesagt und gemacht haben sollen nebst Sarkozy EX-Wirtschaftsminister Thierry Breton, EADS-Verwaltungsrat Michel Pébereau und EDF-Chef Henri Proglio. Die Herren werden in einigen Gesprächen aus dem Élysée-Palast wiedergegeben und dass das nicht unbedingt die beste Grundlage ist, um sich zukünftig Posten in Regierungsnähe zu sichern, müsste auch Lauvergeon klar sein. Doch sie setzte auf ihre Kontakte und Männer, die selbst Kinder haben. Die hätten nämlich eine ganz andere Auffassung über eine Karrierefrau. „Bei Männern eines gewissen Alters kann ich Ihnen innerhalb einer Minute sagen, wer eine Tochter hat und ob er sie liebt“, sagt sie. „Sie haben dann auch mir gegenüber eine wohlwollende Einstellung.“

Schwerer als gedacht

Doch trotzdem Hollande sie pushed, scheint es nach neusten Erkenntnissen nicht gut für das Comeback von Lauvergeon auszusehen. Le Figaro hat ohne genaue Angaben von Quellen die Meldung in Umlauf gebracht, dass EADS-Chef Enders, Vater von vier Söhnen, die Frau nicht nominieren wolle. „Der Nominierungsausschuss der European Aeronautic Defence and Space Co NV gebe dem ehemaligen Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, oder dem früheren BNP-Paribas-CEO Michel Pebereau den Vorzug.“, schreibt Le Figaro.

Ist es ein Schachzug gegen den Staat und Hollande oder gegen Anne Lauvergeon? Vielleicht ist es aber auch nur eines der vielen Gerüchte ist, welches sich nicht bestätigt? Bis zur Hauptversammlung Ende März muss sich der interessierte Beobachter also noch in Geduld üben und erlebt bis dahin sicherlich noch die eine oder andere Überraschung.

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