Goldman Sachs wird um ihre wichtigste Frau, Dorothee Blessing, ärmer

Deutsche Top-Bankerin, Dorothee Blessing, kündigt bei Goldman Sachs. Sie nimmt sich eine Auszeit, um ihre Karriere radikal zu überdenken.

20 Jahre ist es her, als Dorothee Blessing bei der US-Investmentbank in Deutschland als Analystin anfing. Innerhalb der zwei Jahrzehnte hat sie es geschafft Co-Chefin des deutschen Investmentbankings zu werden. Sie war bislang die einzige Partnerin des amerikanischen Geldinstitutes, die es mit deutschem Pass in diese Position gebracht hat. Momentan leitet Blessing mit Wolfgang Fink das wichigste Gebiet in der Bankenwelt, das Investmentbanking, in Österreich und Deutschland. In diesem Rahmen durfte die Partnerin schon seit 2005 Firmen wie Allianz, Henkel, TUI, Atlanta und Evonik bezüglich der Kapitalbeschaffung zur Übernahmefinanzierung helfen. Doch diesen Job hängt sie nun ohne konkrete Zukunftspläne an den Nagel.

Der Trend zur Bedächtigkeit

Die zweite Lebenshälfte will von der 45-Jährigen überdacht werden. Eine Auszeit zur Neuorientierung gönnt sich die dreifache Mutter nun. Ob ähnliche Gründe wie bei der Bankerin Susan Levermann bestehen, ist offen. Diese kündigte nur einen Tag, nachdem sie auf der Spitze ihrer Karriere stand und als Managerin des besten Deutschland-Aktienfonds ausgezeichnet wurde. Levermann empfand jedoch keine Freude, sondern fragte sich schon seit langem: „Was trage ich eigentlich dazu bei, aus dieser Welt einen besseren Ort zu machen?“ Hat Blessing sich diese Frage beantwortet oder will sie diese zukünftig klären, scheint Goldman Sachs anscheinend nicht der beste Ort dafür zu sein. Dort gibt es noch keinen Ersatz für Blessing. Ihr Kollege Fink wird das Geschäft bis auf Weiteres alleine führen.

Die Zukunft liegt ihr zu Füßen

Sicherlich wird die Frau von Martin Blessing, Chef der Commerzbank, beim Neu- oder Wiedereinstieg nicht vor verschlossenen Türen stehen. Allein letztes Jahr wollte Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann AG Thomas Rabe sie zum Finanzvorstand des Medienkonzerns abwerben. Möglicherweise verschlägt es Blessing aber auch in eine ganz andere, neue Richtung. „Als ich mit dem Studium begonnen habe, konnte ich mir vieles vorstellen, nur nicht unbedingt später in einer Bank zu arbeiten.“, sagt Blessing. Mehrfach bestätigte sie in Interviews mit großen Tageszeitungen, dass andere Branchen auch einen Reiz auf sie ausüben. Vielleicht war es ihre Herkunft aus einer alteingesessenen Bankiersfamilie, die sie die Karriere, die nun nicht mehr zu 100% ihre scheint, machen ließ. Schließlich ist sie die Tochter des ehemaligen Chefs der Bank für Gemeinwirtschaft, Paul Wieandt und auch ihre beiden Brüder findet man heute in der Finanzbranche wieder. Musste sie sich beweisen und immer wieder als Mutter zurückstecken? Blessing machte nicht den Eindruck zu leiden und doch ist es schwer vorstellbar, dass ihr Karriereweg nicht auch mit Repressalien einherging.

Zweifelhafte Selbstbestimmung

„Wenn man will, dann findet man einen Weg, einen fordernden Job und eine Familie unter einen Hut zu bringen.“, wird die Finanzexpertin nicht müde zu betonen und ermutigt andere Frauen, auch an die Spitze der Wirtschaft zu klettern. „Jede Frau muss das für sich entscheiden: Wie viel arbeite ich? Und worauf verzichte ich?“ Ihre Vergangenheit zeigt, wie sie sich ihre eigenen Fragen beantwortet hat. Zum Beispiel nahm sie nach der Geburt ihrer ersten Tochter das Recht auf Teilzeitarbeit für drei Monate in Anspruch, nach den anderen zwei Geburten war sie stets Vollzeit tätig. Doch in Zukunft scheint die Karrierefrau vorerst das Gegenteil der letzten zwei Jahrzehnte anzustreben.

Es wäre spannend in ihren Kopf zu schauen und die Gründe für ihre Auszeit zu erfahren. Doch da so etwas kaum möglich ist, wird man sich mit weiteren Interviews oder den ersten Schlagzeilen über ihren neuen Job begnügen müssen. Sorgen muss man sich um Blessing bestimmt nicht machen, wenn man sich den Verbleib der ehemaligen Mitarbeiter von Goldman Sachs anschaut.

Werbung