Nathalie Benedikt: „Hier zählt nur die Leistung“

Nathalie Benedikt ist eine(r) der jüngsten Finanzvorstände eines (Tec)DAX-Unternehmens. Sie schafft es mit Rückhalt ihres Mannes, Kinder und Spitzenposition zu vereinbaren.

Den neuen Job trat Nathalie Benedikt Anfang Januar dieses Jahres an und war damit einer der jüngsten Finanzvorstände eines börsennotierten Unternehmens. Die 36-Jährige verantwortet das Ressort Finanzen/Controlling, EDV und Personal bei der Firma Pfeiffer Vacuum, ein TecDAX-Unternehmen, in dem sie mittlerweile schon 13 Jahre Einblicke bekam. Zuvor leitete sie als Direktorin die globalen Finanz- und Controlling-Bereiche des auf Pumpen spezialisierten Maschinenbaukonzerns. Als sie den Posten bekam, war sie erst 28 Jahre alt. Es war ihr Chef Manfred Bender, der ihr den Leitungsposten in jungen Jahren zutraute und damit eine vielleicht auf den ersten Blick gewagte Entscheidung traf, der sie nun in den Vorstand holte. Sein Vorschlag soll im Gespräch mit der Verkündung von Benedikts Schwangerschaft quittiert worden sein.

Jung, verheiratet, sucht nicht mehr

Die Entscheidung zur Beförderung brauchte also Bedenkzeit. Da das Ehepaar Benedikt zudem auf dem Land lebt und schon eine vier Jahre alte Tochter hat, war klar, die Kinder einfach in eine Kita weg organisieren, ist nicht so leicht. Benedikts Mann, ein nicht minder erfolgreicher Maschinenbauingenieur, entschied über Karriere- und Familienzukunft, in der er sich zum Hausmann-Dasein bereiterklärte.

Nathalie Benedikt trat die Beförderung an und bewundert ihren Mann für die moderne, teils selbstlose Entscheidung. Sie hätte auf den Karriereschritt verzichtet, falls er nicht das „Opfer“ gebracht hätte, weiß die stolze Ehefrau. Sie führen das Bild der klassischen Alleinverdiener-Ehe fort, nur mit vertauschten Rollen. Dafür musste sie loslassen lernen. Denn es gibt diese Momente, in denen sie nach Hause kommt und dem halbjährigen Sohn die Flasche geben will, doch dieser verweigert sich. Erst wenn der Papa ihn zu sich nimmt, trinkt er brav. Bei ihrer Tochter war das noch anders, obgleich es sicherlich auch ein Spagat zwischen Job und Kinderbetreuung gewesen sein muss. Denn Benedikt leitet erst vor ein paar Jahren vom teils vom Firmenbüro, teils vom Home-Office aus die Übernahme des Branchenriesens Adixen.

Die Karriere geschah einfach so

Dass es bei all diesem Engagement nicht ihr Plan war, ganz nach oben zu kommen, ist schwer zu glauben. Die Postenbesetzung in Frage zu stellen wiederum, grenzt fast an Gemeinheit. Doch im Zuge der Gleichberechtigung wird sicherlich immer mal wieder eine Diskussion aufkommen, ob die Führungsebene eine Frau berief, weil sie die Beste ist oder weil es gerade Mode zu sein scheint. Benedikt selbst weiß: Sie war „der geeignetste Mitarbeiter“ im Haus. Ihre Begeisterung für Zahlen, Bilanzierung sowie Unternehmemsbesteuerung teilt eben kaum einer so sehr wie sie. Die Benachteiligung von Frauen habe sie nie wirklich erlebt, erst auf der Vorstandsebene wird es deutlich, wie wenig weibliches Personal dort zu entdecken ist. Der Grund dafür sei ihrer Meinung nach in der Generationsfrage zu finden. „In der Vergangenheit war es sicher so, dass der Bereich Finanzen ein Männerthema war. Aber das hat sich gewandelt. Ich denke, wenn wir uns hier in zehn Jahren wieder treffen, wird keiner mehr darüber reden, dass es zu wenige Frauen in den Finanzvorständen gibt.”

Gegenüber der Frauenquote ist die Vorständin weniger positiv eingestellt. Die Diskussion darüber schule das Bewusstsein – das sei gut, doch die Einführung und Pflichteinhaltung dessen nicht gut. Im Interview mit der Wirtschaftswoche begründete sie ihre Haltung: „Niemand möchte als Quotenfrau bezeichnet werden. Es hat einen negativen Touch und der Frau haftet dann immer der Makel an, dass sie vielleicht nicht die Beste für den Job war. Dann verblasst ihre tolle Leistung.”

Benedikt hat das erreicht, wovon viele erst noch träumen: Durch die Liebe zum Beruf aufzusteigen und nichts dabei wirklich auf der Strecke zu lassen. Wo soll man jetzt als Nachahmer/in ansetzen? Gerne arbeiten gehen – tun viele. Den richtigen Partner aussuchen – schwerlich in messbare Kategorien einzuschätzen. Karriere nicht zielstrebig ansteuern – passiert den meisten. Vielleicht ist es einfach nur die glückliche Mischung aller Faktoren und die oberste Prämisse: Sich selbst etwas zuzutrauen.

Werbung