Überwindbare Karriere-Hürden

Diskurs in zweierlei Richtung mit gleichem Ziel: Frauen müssen die Führungskultur in Unternehmen verändern und sich mehr zugestehen.

Es sind komische Zeiten in diesen Tagen. Zum einen diskutieren die ehemalige und momentane Familienministerin darüber, einen rechtlichen Anspruch auf Vollzeitstellen durch zu setzen und zum anderen ebbt die Debatte um größeren weiblichen Einfluss in und auf Führungsposten nicht ab. Der Alltag könnte nicht zwiegespaltener sein für uns Frauen.

In die Diskussion um Quote, Frauen in Vorständen ließ sich erst kürzlich eine hochkarätige Managerin des global größten Netzwerkausrüsters Cisco zu Aussagen hinreißen, die weder den Damen, noch den Herren wirklich gut gefallen. Padmasree Warrior leitet, obgleich sie zwei technische Universitätsabschlüsse hat, innerhalb des Unternehmens den Bereich der Konzernstrategie und legt karrierefreudigen Frauen in einem Interview mit der ZEIT folgendes Vorgehen nahe: „Viele Frauen sind zu risikoscheu, jedenfalls im Vergleich zu Männern. Etwa wenn es um die Frage geht, ob sie einen neuen Job mit anderen Aufgaben annehmen. Während Männer eher die Einstellung haben ‚Ja, das kann ich lernen’, zögern Frauen oft. Mein Rat an sie: Wenn sich eine Tür öffnet, geht durch!“ Sie muss es wissen, schließlich wählte das Forbes-Magazin die Inderin unter die hundert mächtigsten Frauen der Welt. Für die deutschen Unternehmen hatte Warrior auch deutliche Wort übrig: „Gestalten Sie Arbeitsplätze verträglicher! Frauen sind großartige Führungspersönlichkeiten, aber sie müssen sie selbst sein können.“ Ein Nachahmen von männlichen Verhalten fördert keinesfalls die weiblichen Potentiale zutage, meint die Top-Managerin. „Frauen und Männer gehen Aufgaben auf unterschiedliche Weise an, und das sollten wir akzeptieren. Deutsche Unternehmen müssen ihre Führungskultur ändern, wenn sie Frauen den Aufstieg ermöglichen wollen“, sagt sie.

Staatliche Regelung wird überschätzt

Die eingeführte Quote ist laut Cisco-Mitarbeiterin mit überhöhten Erwartungen belegt. „Gesetze allein bringen es nicht. Sie können helfen, aber es muss mehr geben als Zwang. Abgesehen davon kann so etwas übel nach hinten losgehen. Wird eine Frau wegen eines Gesetzes in eine Position gebracht, für die sie nicht bereit ist, wird das sofort als Argument gegen die Sache verwendet: Seht her, Frauen können es nicht!“, gibt sie zu bedenken.

Spitzenposten auch mit Teilzeitphase?

Die Tipps an Wirtschaft und Frauen von Warrior sind schlüssig, wichtig und gut. Doch sie treffen leider nur im Geist auf so viele (potentiell) erfolgreiche Frauen. Denn der Alltag sieht anderes aus. Frauen mit perfekten Voraussetzungen sind nicht immer nur scheu oder lassen sich zu viel oder zu wenig auf die männliche Art des Kämpfens ein, sondern die aktuelle Debatte von Kristina Schröder und Ursula von der Leyen (beide CDU) zeigt, dass der Kinderwunsch eine Selektion der Frauen für die Führungsetagen nicht im Sinne des Erfolges vornimmt. Schließlich kann und will sich nicht jede berufstätige Frau die Kinder von jemand anderem die ersten Jahre betreuen lassen und nimmt so möglicherweise den Karriereeinschnitt hin, der ihr später den (Wieder)Einstieg in den Spitzenposten verwehrt. Momentan ist es so, dass ein Anspruch auf Teilzeit seitens des Arbeitgebers gewährleistet werden muss. Nimmt die frisch gewordene Mutter dieses Angebot an, dass steckt sie in der sogenannten „Teilzeitfalls“. Denn es gibt kein Gesetz, das regelt, dass Frauen jemals wieder in Vollzeit zurück kehren dürfen. Bis Sommer könnte die laut Schröder „rechtlich zementierte Einbahnstraße“ von beiden Seiten befahrbar werden und damit wäre endlich ein weiterer Schritt in Richtung Aufbrechen der „gläsernen Decke“ gegangen, noch lange nicht der ganze Weg.

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