Das Vorzeigeunternehmen Bosch

Im Aufsichtsrat von Bosch sitzen bald vier Frauen. Diesen Vorstoß sowie die Beibehaltung der familienfreundlichen Unternehmenspolitik begrüßen Staat und Gesellschaft gleichermaßen.

Diese Woche traf sich Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Chefrepräsentanten der Wirtschaft, um über familienfreundlichere Gestaltungsmöglichkeiten in den Firmen zu reden. Ein großes Thema war unter anderem die Einrichtung von betriebseigenen Kindergärten. Vorzeigeobjekt ist der Elektrowerkzeuge-Konzern Bosch. Die schwäbische Firma wurde erst letztes Jahr mit der Bezeichnung „familienfreundlichstes Unternehmen“ geehrt. In der Sparte „große Unternehmen“ mit mehr als 1.000 Mitarbeitern ging Bosch 2012 als Gesamtsieger hervor. Insgesamt mehr als 530 Unternehmen hatten sich bei dem Wettbewerb „Erfolgsfaktor Familie 2012“ beworben. 42 erreichten die Finalrunde, darunter Airbus, Deutsche Telekom, DZ Bank, Henkel, Tchibo oder Vodafone. An diesen könne man sich also gut orientieren.

Doch der Rest der Wirtschaft ist noch immer sehr unsicher im Umgang mit den Eltern unter den Mitarbeitern und folgt kaum den nachahmenswerten Leitlinien von Bosch. Dass Unternehmen sieht das Elterndasein als eine Karrierechance und bestraft Familienzeit nicht, sondern rechnet sie als Karrierebaustein an, sodass ein Auslandsaufenthalt genauso viel wiegt wie zum Beispiel die Vaterzeit. Bosch wolle „familiäre Verpflichtungen genauso wertschätzen wie das berufliche Engagement“, sagte Bosch-Arbeitsdirektor Christoph Kübel. Die Politik beklatscht parteiübergreifend dieses Verhalten.

Umbruch ganz ohne Druck der Quote

Wer Boschs familienfreundliche Strategie der Motivation von Mitarbeitern kennt, den wird es auch kaum wundern, dass die Firma zukünftig den Schritt zu vier Frauen im Aufsichtsrat wagt. Von 20 Mitgliedern werden also demnächst ein Fünftel weiblich sein. Für Ende März steht die Planung, dass die ehemalige Wirtschaftsweisin Beatrice Weder Di Mauro in das Führungsgremium dazu stößt. Ihr Vorgänger ist der Ex-Chef des Anlagenbauers Helmut Kormann. Die Arbeitnehmerseite bekommt obendrein Unterstützung von der Gewerkschafterin Christiane Benner und der Betriebsrätin Kerstin Mai. Auf die drei weiblichen Neuzugänge wartet die bereits im Aufsichtsrat vertretende Meinungsforscherin Renate Köcher.

Der Auszug aus einem Kommentar von Dr. Olaf Janke in „Automotive-Manager“ zum aktuellen Geschehen spricht wohl vielen Männern wie Frauen, die das Geschehen der Wirtschaft stets mit Argwohn beäugen, aus der Seele: „Mehr Frauen an der Spitze, aber auch bessere Karrierechancen für alle Frauen in den Unternehmen – hiervon kann auch die besonders testosterongeschwängerte Automobilwirtschaft nur profitieren. Die Altherrenklubs der Branche führen bisweilen zu recht einseitigen Betrachtungsweisen auf Chancen und Risiken, was den Unternehmen Nachteile in Strategie, Zukunftsfähigkeit und innerer Stabilität bringt. Denn Frauen sind mit ihrer Andersartigkeit Form der analytischen Denke eine Bereicherung zur vorherrschenden „schwarz-weiß“-Denke der Branche. Nicht nur deshalb bleibt zu hoffen, dass das Beispiel Bosch Schule machen wird – denn es ist ein Akt der selbstbewussten und würdevollen Gleichberechtigung.“

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