Gleiches Gehalt für Männer und Frauen dank Rot-Grün?

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit müsste eigentlich ein alter Hut in der gesellschaftspolitischen Debatte sein. Ist er aber nicht und so profitieren SPD und Grüne möglicherweise davon, dass sie ihn im Wahlkampf wieder auftragen.

Die Gründe für die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen sind vielfältig. Schuld seien meist die Frauen selber, da sie mit weniger Selbstbewusstsein in Gehaltsverhandlungen gehen, sich nicht alle paar Jahre um eine Lohnerhöhung bemühen und sowieso die sozialen, also die schlecht bezahlten Berufe wählen. Vieles davon ist sicherlich zum Teil richtig, doch vergleicht man Deutschland mit Europa, bekommt man leicht den Eindruck, dass deutsche Frauen besonders benachteiligt sind. Denn im EU-Durchschnitt müssen Frauen pro Jahr etwa 59 Tage mehr arbeiten gehen, um auf den Verdienst der Männer zu kommen. Der Stundenlohn aller Europäerinnen zusammen beträgt nämlich 16 Prozent weniger als der aller Männer, teilte Brüssel 2010 mit. In Deutschland selbst gibt es jedoch die Gehaltslücke von ca. 22%. Und ob eine Engländerin oder Italienerin wirklich einfach nur mutiger mehr Geld fordert als eine Deutsche, sei doch zu bezweifeln.

Das sozialistische Frankreich

Der EU-Durchschnitt soll sich über die Jahre ein wenig gebessert haben, jedoch liege dies nicht an einer besseren Bezahlung der Damenwelt, sondern an der Krise im Baugewerbe, sodass die Löhne der Männer gedrückt worden seien. Die bereinigte Lohnlücke, das heißt unter Berücksichtigung aller individueller Merkmale wie Berufswahl, Qualifikation, Auszeiten aus dem Erwerbsleben, besagt, dass Frauen in Deutschland immer noch acht Prozent weniger als das starke Geschlecht verdienen. In Paris gab das Amt für Statistik sogar das Armutszeugnis von neun Prozent heraus.

In unserem Nachbarland Frankreich möchte die Regierung diese Situation jedoch nicht mehr tatenlos hinnehmen und lässt sich auf einen Kampf mit der Wirtschaft ein. Notfalls sollen Unternehmen, die Männer und Frauen ungleich entlohnen durch Strafzahlungen sanktioniert werden, malte die französische Frauenministerin Najat Vallaud-Belkacem die Zukunft in einem Interview mit „Le Parisien“ aus. Es wird über eine Höhe der Geldstrafe von bis zu einem Prozent der Personalkosten diskutiert. Der Staat warte noch sechs Monate. Wenn bis dahin kein spürbar neuer Wind in den Firmen weht, wird die Sanktions-Androhung Wirklichkeit.

Rot-Grün entdeckt die Ungerechtigkeit der Geschlechter

Auch die Opposition in Deutschland ist jetzt auf den Gedanken gekommen, dass Entgelt-Gleichheitsgesetz in Angriff zu nehmen. Im Falle einer Koalition ab Herbst soll „mit dem Skandal aufräumt werden, dass Frauen in Deutschland im Durchschnitt 22 Prozent weniger verdienen als Männer“; ließen sich Claudia Roth und Sigmar Gabriel zitieren.

Die Arbeitszeiten familienfreundlicher zu gestalten, soll ebenso auf dem Wahlprogramm ganz oben stehen. „Klar ist: Wir brauchen eine Revolution im Verhältnis der Geschlechter untereinander und bei der Verbindung von Familie und Arbeitswelt“, erklärten die Parteivorsitzenden. Während die momentane schwarz-gelbe Regierung sich darin übt, die Frauenquote mit allerlei Weisungen zu bekämpfen, fahren Rot-Grün gut damit, den entgegengesetzten Kurs einzuschlagen. Die Frage ist nur, wie sie ihre Ziele erreichen wollen.

Die Befürchtung der Bevölkerung sieht derart aus, dass Männer bald weniger verdienen, damit einerseits das Prinzip der Gleichbezahlung Anwendung findet, aber auch andererseits die Wirtschaft entlastet ist. Ein weiterer bestimmt wegweisender Vorschlag wäre, die Verschwiegenheit über Gehälter abzuschaffen, um mit mehr Transparenz Druck auf die Unternehmen selbst zu erzeugen. Dass Geheimnis um den Lohn wäre ein offenes, welches sich die Arbeitgeber kaum noch zunutze machen könnten. Doch ist das alles möglicherweise nur Teil einer Regulierungswut, die die Wirtschaft ihrer Selbstregulierung entmachtet und dadurch Arbeitsplätze vernichtet? Bevor geschimpft oder gar gebangt wird, sollte erst einmal die nächste Wahl abgewartet werden, denn im Falle dass Rot-Grün Opposition bleiben, wäre die ganze Aufregung umsonst – aber auch die Hoffnung.

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