Die wichtigsten Frauennetzwerke (1): Women’s Forum for the Economy and Society

Was für Männer schon lange zum Alltag gehört, müssen Frauen erst mühsam lernen: professionelles Netzwerken. Ohne Kontakte und ein stabiles Netzwerk kommt man auf der Karriereleiter meist nicht sehr weit. Vor allem wenn man als Frau durch die Seilschaften der männlichen Mitstreiter ausgebremst wird. Während Frau oft allein versucht, den steilen Hang an die Spitze zu erklimmen, reichen sich die Herren gegenseitig die Hände und ziehen blitzschnell vorüber.

Wichtige Entscheidungen werden meist nicht im Büro getroffen, sondern abends beim Bier oder beim Geschäftsessen. Frauen sind da oft nicht mehr dabei, da sie nach einem langen Arbeitstag noch etwas von ihrer Familie haben möchten. Oder sie sind gar nicht erst erwünscht, wenn sich die Herren zum Golfen oder in der Sauna treffen. Fakt ist, wer auf solchen Veranstaltungen nicht präsent ist, gerät schnell in Vergessenheit, wenn es um Beförderungen, Gehaltserhöhungen oder einen Geschäftsabschluss geht. Männernetzwerke werden daher von Frauen als eine der größten Karrierebarrieren überhaupt empfunden, wie schon 2007 in der Financial Times Deutschland zu lesen war.

Umso wichtiger ist es, dass sich auch Frauen zusammenschließen, um gemeinsam ihre Ziele zu erreichen. Die Gründerin des Women’s Forum for the Economy & Society, Aude de Thuin, hatte dieses Bedürfnis vor etwa 8 Jahren, als sie sich beim Weltwirtschaftsforum in Davos unsichtbar vorkam. Unsichtbar unter all den Herren. Denn noch vor wenigen Jahren, waren Frauen in Davos in der Regel nur die Begleitung ihrer erfolgreichen Männer. Sie trugen Schilder mit kennzeichnender Färbung und absolvierten das „Damenprogramm“, fern ab vom eigentlichen Geschehen. Heute ist es schon etwas anders. Mit 17 Prozent sind Frauen zwar auch auf dem Weltwirtschaftsforum 2013 deutlich unterrepräsentiert, aber immerhin diskutieren sie auf der Hauptbühne mit über wirtschaftliche und gesellschaftliche Themen. Vielleicht auch ein Verdienst des Women’s Forum for the Economy & Society.

Aude de Thuin beschloss jedenfalls 2005, dass sie das Netzwerken ebenso gut selbst in die Hand nehmen kann und lud im September desselben Jahres erstmals weibliche Führungskräfte nach Deauville in Frankreich ein – das Davos für Frauen, wie Le Figaro das Forum nennt, war geboren. Seitdem treffen sich jedes Jahr im Herbst über 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 80 Ländern in Deauville zum Women’s Forum Global Meeting. Zwischen 1.500 und 4.000 Euro kostet die Teilnahme an der Konferenz – je nachdem ob man einer Non-Governmental Organization (NGO) oder einem Unternehmen angehört. Ziel ist es, die Stellung von Frauen in allen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen zu verbessern und ihre Präsenz zu erhöhen. 2011 trat Aude de Thuin, selbst Psychologin und Unternehmerin, von ihrem Vorsitz zurück, um sich neuen Projekten zu widmen. Die Werbeagentur Publicis organisiert seither die weltweiten Treffen in ihrem Sinne weiter.

Unter dem Thema „Making the difference“ fand am 17. und 18. Juni diesen Jahres zum zweiten Mal das Women’s Forum Brazil Sāo Paulo statt. Es wurde neben vielen anderen spannenden Themen unter anderem darüber diskutiert, dass Frauen ihren Geschlechtervorteil des längeren Lebens nach und nach einbüßen. Ist das der Preis den wir dafür zahlen, unbedingt Karriere machen zu wollen? Das internationale Vernetzen geht noch weiter. Zum ersten Mal findet im Dezember eine Konferenz in Myanmar statt, die vom Woman’s Forum und der Französischen Botschaft in Myanmar organisiert wird. Ein Schritt in die richtige Richtung, um erfolgreiche Frauen auf der ganzen Welt zusammen zu bringen. Denn wenn wir Frauen etwas von den Männern lernen können, dann dass man gemeinsam schneller vorankommt.

In zwei Wochen geht es in unserer Serie „Die wichtigsten Frauennetzwerke“ um die Initiative Generation CEO.

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