Unternehmen tun sich selbst einen Gefallen, wenn sie Frauen in den Vorstand holen

Mixed Leadership lautet das Zauberwort, das Frauen in die Führungspositionen und Unternehmen zum Erfolg führen soll.  Dass gemischte Teams erfolgreicher arbeiten, bestreitet niemand. Offen bleibt die Frage nach dem Warum.

Die  Analyse „Mixed Leadership“, die im vergangenen Jahr von der Beratungsgesellschaft Ernst & Young veröffentlicht wurde, spricht sehr dafür, Frauen den Zugang zu Vorstandsämtern zu erleichtern.  Das Interesse, diese Entwicklung voran zu treiben,  sollte bei den Unternehmen selbst liegen. Denn die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass gemischte Teams ein Erfolgsgarant sind. Ernst & Young nahm 300 der größten börsennotierten Unternehmen Europas unter die Lupe und stellte einen Vergleich zwischen Vorstandszusammensetzung und Unternehmensperformance in den Jahren 2005 und 2010 an. Anhand der wichtigen  Kennzahlen Umsatz, Gewinn, Mitarbeiteranzahl und Börsenwert wurde der Erfolg des jeweiligen Unternehmens beurteilt. Der Vergleich  zeigt, dass Unternehmen mit mindestens einer Frau im Vorstandsteam überdurchschnittlich erfolgreich sind. Ob mehr Frauen in der Führungsriege zu einer noch besseren Performance führen, geht aus der Studie nicht hervor.

Die Wissenschaft sieht diese Ergebnisse naturgemäß etwas kritischer. Die reine Betrachtung der Tatsache, dass Unternehmen mit weiblichen Vorstandsmitgliedern offensichtlich erfolgreicher sind, wird ihrer Ansicht nach getrübt durch den Mangel an Ursachenforschung. In ihrem Artikel „Mehr Chefinnen, mehr Erfolg?“, der kürzlich im Personalmagazin veröffentlicht wurde, bemerken Wissenschaftler der Universität Konstanz: „Der Zusammenhang von „Gender Diversity“ und Erfolg ist komplexer, als die scheinbar eindeutigen Ergebnisse von Unternehmensberatungen vermuten lassen.“ Auch McKinsey hatte vor wenigen Jahren zu diesem Thema eine umfassende Studie veröffentlicht.

Aus der Analyse von Ernst & Young gehen zwei weitere interessante Ergebnisse hervor. Zum einen, dass Deutschland im europäischen Vergleich noch immer Schlusslicht ist, was den Frauenanteil in den Vorständen angeht. Andererseits die „Rollenverteilung“ innerhalb des Gremiums: Frauen findet man hauptsächlich in den Ressorts Personal, dicht gefolgt von Marketing. In den Bereichen Finanzen oder gar in der Funktion des Vorsitzenden sind sie nur selten zu finden. Die positive Bilanz lautet dennoch: in allen untersuchten europäischen Unternehmen ist der prozentuale Anteil an weiblichen Vorstandsmitgliedern gestiegen – durch alle Branchen hinweg. Negativ wirkt sich das auf die Unternehmensperformance sicherlich nicht aus.

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