Die wichtigsten Frauennetzwerke (2): Generation CEO

Hervorragender Abschluss, ähnliche Berufserfahrung, ungleiches Geschlecht. Den Zuschlag für die Beförderung erhält in solchen Fällen üblicherweise der Mann. Warum das so ist, dass die meisten Frauen über die mittlere Managementebene nicht hinauskommen, bereitet einer Reihe von Forschern Kopfzerbrechen. Sind es die typisch weiblichen Eigenschaften, die die Karriere bremsen? Oder wollen die Frauen gar nicht richtig? Es sind die männlichen Netzwerke, hat eine Forsa-Studie herausgefunden, die im Auftrag der Initiative Generation CEO entstanden ist. Hierzu wurden 501 Frauen in Führungspositionen zu dem Thema befragt, welche Karriere-Hemmnisse sie für sich selbst sehen. Das überraschende Ergebnis: Noch vor den üblichen Problemen – Angst der Vorgesetzten vor Babypausen, Ellenbogenmentalität der männlichen Kollegen – stand die Dominanz männlicher Netzwerke. Für 70 Prozent aller Befragten stellt das die größte Hürde dar.

Frauen, vernetzt Euch!

Frauen, vernetzt Euch! kann man da nur sagen. Das hat sich auch der renommierte Headhunter Heiner Thorborg gedacht und das Netzwerk Generation CEO ins Leben gerufen, mit der Unterstützung der Wirtschaftsmedien Capital und Financial Times Deutschland. Sein Ziel: die Verbesserung der Situation weiblicher Führungskräfte auf ihrem Weg ins Top-Management. Um in das Netzwerk aufgenommen zu werden, müssen die Kandidatinnen bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Dazu gehört neben einer mehrjährigen Berufserfahrung, der exzellenten Ausbildung und interkultureller Kompetenzen, dass die Bewerberin bereits in einer Führungsposition mit signifikanter Budget- und Personalverantwortung angekommen ist. Jedes Jahr werden 20 neue Managerinnen für Generation CEO ausgewählt – von Heiner Thorborg höchstpersönlich. Mittlerweile zählt das Netzwerk 119 Mitglieder, allesamt Management-Talente zwischen 33 und 46, mehr als die Hälfte hat Kinder. Sie kommen in den Genuss eines 25.000 Euro teuren Coaching-Programms, welches sie auf ihren Aufstieg nach ganz oben vorbereitet. Gesponsert wird die Initiative von zahlreichen großen Unternehmen, die insgesamt mehr als 1 Mio. Euro bereitstellen. Darin zeigt sich, dass die Konzerne die Notwendigkeit der Förderung weiblicher Führungskräfte erkannt haben und sich diese auch etwas kosten lassen.

Vernunft statt Quote

Warum sich ausgerechnet ein Mann für die Karriereförderung von Frauen einsetzt, kann man sich fragen. Heiner Thorborg ist der Meinung, dass es sich die Unternehmen aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht nicht leisten können, die Hälfte der Führungstalente unbeachtet zu lassen. Und das ist ein wichtiges Zeichen, um diesen Gedanken auch in den männlichen Vorstandsetagen zu verankern. Eine starre Quote lehnt der Frauenförderer ab, denn „das Geschlecht allein ist eben keine ausreichende Qualifikation“. In seinem jüngsten Interview verrät er der Wirtschaftswoche, warum Frauen in Top-Positionen scheitern, wenn der Karriereschritt zu früh kommt, und welche Schuld die Männer daran tragen. Ganz ohne politische Quote und ohne die Empfehlung des Corporate Governance Kodex sollen die Frauen aus rein marktwirtschaftlichen Motiven nach oben kommen. Eine Frage der Vernunft, ist das für Heiner Thorborg, und nicht der politischen Regulierung. Wie genau sich die Mitglieder von Generation CEO das vorstellen, wurde bereits 2010 in einer Handlungsempfehlung festgehalten – der Kronberger Erklärung.

Die erste aus dem hochkarätigen Netzwerk, das unter der Schirmherrschaft von Familienministerin Kristina Schröder steht, die es an die Spitze eines DAX-Unternehmens geschafft hat, war Hauke Stars. Seit Dezember 2012 ist sie Vorstandsmitglied der Deutschen Börse. Etwa jede vierte Teilnehmerin hat mittlerweile ein Aufsichtsratsmandat. Um weitere Frauen in die richtigen Positionen zu vermitteln, wenn die Zeit reif ist, hat Thorborg im letzten Jahr die Personalberatung The Female Factor gegründet. Voraussetzung um von ihm vermittelt zu werden: ein momentanes Einkommen von 200.000 Euro oder mehr.

In zwei Wochen geht es in unserer Serie “Die wichtigsten Frauennetzwerke” um die Initiative FidAR, die sich für mehr Frauen in Aufsichtsräten einsetzt.

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