Die wichtigsten Frauennetzwerke (3): FidAR

Ob freiwillige Selbstverpflichtung oder Quotenregelung – viel wurde darüber diskutiert in den letzten 12 Jahren, wie der Frauenanteil in Führungsetagen erhöht werden kann. Geändert hat sich wenig. Noch immer sind nur etwa 17 Prozent aller Aufsichtsräte und magere 6 Prozent aller Vorstände weiblich. Das hat die Organisation Frauen in die Aufsichtsräte e.V. – kurz FidAR – in ihrem Woman on Board Index 2013 festgestellt. Der kumulierte Frauenanteil liegt damit bei 11,6 Prozent. Dreimal so viel sollten es mindesten sein. Seit dem 18.04.2013 ist die Frauenquote in Deutschland jedoch erstmal begraben. Momentan wird über eine europäische Quote diskutiert, aber auch hier hat Deutschland angekündigt dagegen zu stimmen.

Um an dieser Situation etwas zu ändern, gründeten weibliche Führungskräfte aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik bereits 2006 den Verein FidAR e.V.. Das Ziel: den Frauenanteil in deutschen Aufsichtsräten signifikant zu erhöhen, und zwar nachhaltig. Mindestens 30 Prozent sollen es auf der Seite der Anteilseigner werden. Die Verteilung bei den Arbeitnehmervertretern soll dem jeweiligen Anteil in der Belegschaft gerecht werden. Die unabhängige und überparteiliche Initiative zählt mittlerweile 390 Mitglieder, Männer wie Frauen, die sich für dieses Ziel engagieren. Neben dem gemeinsamen Engagement bietet FidAR den Mitgliedern natürlich ein großes Netzwerk und eine Plattform zum Austauschen. Für Frauen und Männer in Führungspositionen, oder auf dem Weg dorthin, ist das unerlässlich.

Um nachhaltig etwas zu bewirken, muss viel Überzeugungsarbeit geleistet werden. Eines der wichtigsten Instrumente von FidAR ist dabei der bereits erwähnte Woman on Board Index, in dem seit zweieinhalb Jahren die Entwicklung des Frauenanteils in den börsennotierten Unternehmen untersucht wird. Den Entscheidern in Wirtschaft und Politik kann damit schwarz auf weiß gezeigt werden, wo die Probleme liegen. Außerdem verfolgt der FidAR e.V. durch ausgeprägte Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie regelmäßige Vorträge und Workshops seinen Weg.

Im Aufsichtsrat können schnellere Veränderungen bewirkt werden

Als leidenschaftliche Lobbyistin kämpft Monika Schulz-Strelow an der Spitze der Organisation für ihr Thema. Die studierte Politikwissenschaftlerin und Geschäftsführerin der b.international group ist Gründungsmitglied und Präsidentin des gemeinnützigen Vereins. Am 7. März diesen Jahres wurde sie für ehrenamtliches Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. In einem Interview mit dem Bayrischen Rundfunk erzählt sie, dass sie unzufrieden mit den politischen Geschehnissen ist, und warum sie sich vorrangig für eine Frauenquote in den Aufsichtsräten einsetzt, und nicht etwa in den Vorständen. Der Aufsichtsrat ist das Gremium, „wo man am schnellsten Veränderungen herbeiführen kann“. Um an die Vorstände zu gelangen müssen Strukturen aufgebrochen werden. Hier ist FidAR eher für eine Flexi-Quote, wie sie auch von Familienministerin Kristina Schröder favorisiert wird. Dass sie es nicht fassen konnte, als der damalige Aufsichtsratsvorsitzende von ThyssenKrupp, Gerhard Cromme, vor dem Deutschen Juristinnenbund verkündete, „eine Aufsichtsratssitzung ist kein Kaffeekränzchen“, ist womöglich auch ein Grund dafür, warum Monika Schulz-Strelow zeigen möchte, dass Frauen sehr wohl die erforderlichen Kompetenzen für ein Aufsichtsratsmandat mitbringen.

Seit 2009 organisiert FidAR jährlich ein Forum, auf dem Expertinnen und Experten zum Thema Diversität in Führungsgremien diskutieren. Zuletzt fand das 5. Forum am 27. Juni 2013 in Berlin unter dem Motto „Die Wahl zum Erfolg“ statt, auf dem rund 300 Gäste anwesend waren.

Im nächsten Teil unserer Serie „Die wichtigsten Frauennetzwerke“ geht es um das internationale Frauennetzwerk Zonta.

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