Frauen-Quote reloaded

Eigentlich kann man ganz zufrieden sein mit der Entwicklung der Frauenpräsenz in den Chefetagen. Immer mehr Frauen schaffen es in die Vorstände und Aufsichtsräte großer Konzerne. Immer mehr Familienunternehmen berücksichtigen bei der Nachfolgelösung auch die Töchter. Und immer mehr Frauen gründen ihr eigenes Unternehmen. Die Fortschritte sind nicht rasant und es sind immer noch viel zu wenige weibliche Führungstalente in den richtigen Positionen angekommen. Aber der Trend ist positiv – es könnte schlimmer sein.

Das reicht der EU-Kommission aber nicht. Sie möchten jetzt zusätzlich zu den Dax-Konzernen auch den Mittelstand in die Pflicht nehmen, wenn es um die Frauen-Quote in Aufsichtsräten geht. Nach dem eigentlichen Vorhaben, den Mittelstand zu entlasten und Rechtsvorschriften zu vereinfachen, klingt das nicht. Alle wissen, mittelständische Betriebe sind das Rückgrat der europäischen Wirtschaft. Sollte man es den Unternehmen da nicht möglichst leicht machen, sie motivieren weiter hier in Europa zu investieren und zu produzieren? Sich zusätzlich zu der ganzen anderen Bürokratie auch noch um die strikte Einhaltung einer Frauen-Quote zu kümmern, dürfte hingegen eine nicht unwesentliche, zusätzliche Hürde werden. Die EU hat eine fragwürdige Motivation für ihre Initiative: Die Mittelständler sollen die „Avantgarde im Kampf um Geschlechtergerechtigkeit bilden und daher in die Richtlinie eingeschlossen werden.“

Das ist abstrus, findet auch die frauenpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion Nicole Bracht-Brendt. Gerade der Mittelstand ist bereits sehr vorbildlich, wenn es um den Frauenanteil geht. Die EU soll sich daher raus halten, fordert Bracht-Brendt. Frauen in Führungspositionen seien bei mittelständischen Unternehmen an der Tagesordnung, und das nicht erst seit gestern. „Während Wirtschaft und Politik noch darüber diskutieren, ob in deutschen Chefetagen eine Frauenquote eingeführt werden soll, haben Frauen schon längst den Mittelstand erobert“, kann man in einem Artikel der KfW lesen. Etwa 20 Prozent der Inhaber sind weiblich. Also was möchte die Europäische Kommission noch? 40 Prozent! Bis 2020. Für die Unternehmen, die sich nicht daran halten, sollen auch die Sanktionen verschärft werden. Man hat sich etwas überlegt, was den Mittelstand besonders hart trifft, nämlich den Ausschluss von öffentlichen Ausschreibungen. Weil diese Ausschreibungen eine Angelegenheit der Allgemeinheit sind, müssen Firmen, die sich nicht an die Umsetzung der Frauen-Quote halten, ausgeschlossen werden.

Also natürlich eine Entscheidung im Interesse und zum Wohl aller. Und die Parlamentarierinnen wissen, dass die Präsenz von Frauen in Aufsichtsräten die Unternehmen erfolgreicher macht. Wenn das so ist, sollte man dann den Unternehmen nicht zutrauen, dass sie von ganz allein versuchen werden, ihren Frauenanteil zu erhöhen? Wie sie es ja jetzt auch schon tun.

Man sollte vielleicht nicht versuchen, die ganze Welt in einer einzigen Legislaturperiode zu retten.

Werbung