Gesucht und gefunden: Frau wird Technikvorstand bei der Bahn

Die Bahn ist nicht gerade berühmt für ihren hohen Frauenanteil. Auf gerade mal 22 Prozent weibliche Mitarbeiter kommt der Konzern. In der Führungsetage sieht es noch schlechter aus. Daher sucht Bahnchef Rüdiger Grube schon seit längerem nach einer qualifizierten Frau, die er in den Vorstand holen kann.

Heike Hanagarth wird neue Technikchefin bei der Bahn. Foto: Deutsche Bahn AG

Heike Hanagarth wird neue Technikchefin bei der Bahn. Foto: Deutsche Bahn AG

Immerhin steht die Bahn als Staatskonzern in puncto Quote noch mehr unter Druck als manch andere Unternehmen, etwa die DAX30 Konzerne. Dass momentan keine Frau an der Spitze zu finden ist, soll nun geändert werden. Und wenn schon, dann gleich richtig. Nicht etwa eines der „weichen“ Ressorts wie Personal ist für sie vorgesehen, sondern den Bereich Technik soll sie verantworten. Als härtesten Job im Konzern bezeichnet die Welt diesen Posten. Der Bahn-Vorstand hat da keine Bedenken. „Es ist erstaunlich, wie viele gute Frauen es auf diesem Gebiet gibt.“ Nun hat sich eine Frau gefunden, die sich dieser Herausforderung stellt.

Am heutigen Montag trifft sich der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn – auch hier sind nur zwei der 20 Mitglieder weiblich – um Heike Hanagarth in den Vorstand zu berufen. Die BMW-Managerin bringt die nötigen Ingenieurs- und Management-Erfahrungen mit, die für das zusätzlich geschaffene Ressort nötig sind. Bevor die promovierte Maschinenbauingenieurin zu BMW kam, war sie bei der Daimler Benz AG und der Tognum AG (vormals MTU Friedrichshafen) tätig. Nun übernimmt sie bei der Bahn einen Aufgabenbereich von Volker Kefer, der bisher sowohl Vorstand Technik als auch Vorstand Infrastruktur war. „Wir sind Volker Kefer sehr dankbar, dass er dem Konzern 2009 in schwierigen Zeiten kurzfristig geholfen und seither die Doppelbelastung durch zwei Ressorts geschultert hat. Jetzt kann er sich ganz den höchst anspruchsvollen Aufgaben in der Infrastruktur und den Dienstleistungen widmen, “ sagt DB-Vorstandsvorsitzender Dr. Rüdiger Grube. Eine Trennung der Verantwortlichkeiten erscheint auch für den Aufsichtsratsvorsitzenden Prof. Dr. Dr. Utz-Hellmuth Felcht sinnvoll: „Infrastrukturprojekte werden immer komplexer und erfordern zudem eine sehr zeitintensive Abstimmung mit den unterschiedlichen Interessenvertretern. Gleichzeitig gibt es große technische Herausforderungen bei der Bahn – die Stichworte Zulassung und Lieferung neuer Züge seien nur genannt.“ Wann es allerdings für die neue Technikchefin losgehen kann, ist noch unklar.

Dass Heike Hanagarth diesen Schritt wagt, zeichnet sie in jedem Fall als Powerfrau aus. Denn leicht ist es bei der Bahn momentan nicht. In den letzten Monaten hatte das Unternehmen signifikante Gewinneinbußen zu verzeichnen. Schuld für das schlechte Geschäft sind vor allem Umsatzeinbußen im Transport und Logistikbereich. Der Personenverkehr verursacht nicht weniger Probleme. Die Lieferung der sehnsüchtig erwarteten 16 ICE-Züge von Siemens verzögert sich immer weiter. Für den kommenden Winterfahrplan stehen sie definitiv nicht zur Verfügung. Und wer kennt sie nicht, die immer wiederkehrenden Schlagzeilen über technische Probleme der Deutschen Bahn. Und wer einmal bei Klimaanlagenausfall in einem ICE gesessen hat oder bei Schnee und Eiseskälte eine halbe Stunde auf eine Berliner S-Bahn gewartet hat, der weiß, vor welcher Hürde Frau Hanagarth steht. Und welche Hoffnung auf sie gesetzt wird.

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