Women in Banking

Kaum einer anderen Branche hängt der Ruf, dass Frauen dort besonders schwer Karriere machen, so sehr an, wie den Banken. Nur wenige Frauen haben es bisher an die Spitze der großen Finanzinstitute geschafft. Ende 2012 waren es gerade mal gut vier Prozent weibliche Vorstände in den 100 größten Banken und Sparkassen. Das ist in einer Studie des DIW nachzulesen, in der die Autorin Elke Holst feststellt: „Die Männliche Dominanz in Top-Entscheidungsgremien bleibt erdrückend“. Die Aufsichtsräte der Banken stehen denen anderer Branchen glücklicherweise nicht allzu sehr nach  – 18 Prozent sind es immerhin. Allerdings ist die Mehrheit der Aufseherinnen von der Belegschaft entsandt. Auf der Seite der Anteilseigner sieht es damit auch wieder schlecht aus.

Warum ist die gläserne Decke gerade im Finanzsektor so undurchdringlich? Schließlich ist die Mehrheit der Mitarbeiter in den Geldhäusern weiblich – und das nicht erst seit gestern. Sollte man da nicht auch mehr Frauen auf der Entscheiderebene erwarten? Dass man sie dennoch vergeblich sucht, hat verschiedene Gründe. Und die sind oft auch bei den Frauen selbst zu finden, sagt Tiemo Kracht, Geschäftsführer bei der Personalberatung Kienbaum, der Welt. „Aufgrund der Treuhandfunktion von Kreditinstituten und deren naturgemäß risikobehaftetem Geschäftsmodell müssen Vorstände gewisse Kompetenzen mitbringen, bei denen ausgerechnet Frauen oft leider schlechter abschneiden als ihre männlichen Konkurrenten“. Aber auch die Strukturen im Finanzwesen machen es den Frauen schwer, aufzusteigen. „Eine klassische Bankerkarriere ist geradezu militärisch organisiert. Für die Frauen ist das sehr schwierig“, weiß Myrjam Tschöke von ihrem eigenen Karriereweg zu berichten. Sie selbst verantwortet bei der Citi das Geschäft mit deutschen Töchtern ausländischer Banken.

Alles Unsinn? Im Prinzip ist eine Banken-Karriere für jedermann möglich – auch für Frauen – schreibt Emma Sinclair im Telegraph. Die frühere Investment-Bankerin weiß aus ihrer eigenen Erfahrung, dass die City – so wird London und seine Finanzindustrie bezeichnet – für Frauen ebenso offen ist wie für Männer. Möglicherweise ist das Finanzbusiness für Männer attraktiver als für Frauen!? Das widerspricht ein wenig der unübersehbaren Tatsache, dass über 50 Prozent der Bankangestellten Frauen sind. Dass Frauen weniger ambitioniert sind, weißt Emma Sinclair jedenfalls vehement zurück. Was müssen Frauen also tun, die sich vom Geschäft mit dem Geld angesprochen fühlen und eine Karriere in dieser Branche anstreben? Es ist wichtig, aufzufallen, sagt Ingrid Hengster, Deutschland-Chefin der Royal Bank of Scotland, die im kommenden Jahr in den Vorstand der KfW wechseln wird. „Mein Durchbruch war ein Projekt, von dem mir jeder abgeraten hat.“

Und es gibt noch mehr Spitzenfrauen im Finanzsektor. Mit Manuela Better als Vorstandsvorsitzende der Deutschen Pfandbriefbank gibt es sogar eine Frau an der obersten Spitze eines deutschen Finanzinstituts. Anhand des Frauen-Karriere-Index, der vom Bundesfamilienministerium entwickelt wurde, lässt sich möglicherweise auch eine leichte Trendwende erkennen. Denn zuletzt waren unter den Top 10 Unternehmen, die besonders die Karrieren von Frauen fördern, überraschender Weise 5 Banken.

Und diejenigen, die noch keine weibliche Top-Bankerin vorzuweisen haben, verspüren den Druck, etwas zu ändern. Die Deutsche Bank zum Beispiel spricht schon lange davon, eine Frau in den Vorstand zu berufen. Gelungen ist es bislang noch nicht. Aber auf der letzten Hauptversammlung am 23. Mai diesen Jahres, betonte Co-Vorsitzender Jürgen Fitschen noch einmal: „Und ich stehe auch weiterhin zu meiner Aussage, bis zu meinem Ruhestand werden wir eine Frau im Vorstand oder Group Executive Committee der Deutschen Bank sehen.“ Wir sind gespannt.

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2 Comments
  1. Hallo Frau Mieth,

    wir freuen uns, diesen Blog zu lesen. Auch wir glauben, nicht die politischen Diskussionen werden die Frauenquote erhöhen, sondern konkrete Taten. Dieses einfache Prinzip verfolgen die Banken seit längerer Zeit und laden gemeinsam einmal im Jahr Studentinnen wirtschaftswissenschaftlicher, mathematischer und technischer Fachrichtungen zu einem Recruiting-Event ein: Women in Banking.

    Die Teilnehmerinnen erhalten in Vorträgen und Workshops wertvolle Informationen rund um die Branche. Sie erfahren, was hinter dem Begriff „Investmentbanking“ steckt und diskutieren mit Experten nicht nur über das Fachliche, sondern auch über das Thema Einstieg und Karrieremöglichkeiten für Frauen. Eine „Rotating Career Fair“ bietet den Studentinnen die Gelegenheit, die Unternehmenskulturen der Banken kennen zu lernen und zu vergleichen.

    Das Event findet am 30. Oktober 2013 im Frankfurter Messeturm statt. Mit dabei sind: Bank of America Merrill Lynch, Barclays, Citi, Commerzbank, Deutsche Bank, Goldmann Sachs, J.P. Morgan, Morgan Stanley und Rothschild.

    Weitere Infos und Bewerbung unter http://www.womeninbanking.com

    • Frau Besch, vielen Dank für Ihren Beitrag.

      Dass sich die Banken aktiv um weiblichen Nachwuchs bemühen, ist sicher der beste Weg. Neben dem fachlichen Input können die Studentinnen bei solchen Events erfahren, dass sie nicht allein auf ihrem Weg sind, sondern dass es viele Gleichgesinnte gibt, mit denen ein Netzwerk aufgebaut werden kann. Netzwerke sind ein wichtiger Bestandteil der aktiven Karrieregestaltung. Auch hierzu haben wir bereits einige Artikel veröffentlicht.

      Wir wünschen ein erfolgreiches Event Women in Banking!

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