Jetzt also doch – die Frauenquote kommt

Mehr Frauen in die Führungsetagen! Da sind sich die meisten einig. Über das Wie gibt es allerdings große Uneinigkeit. Die Frauenquote ist für viele das vielversprechendste Instrument. Deshalb haben sich Union und SPD nun auf die Einführung einer Quote von 30 Prozent für Aufsichtsräte geeinigt. Ob die Frauenquote  Fluch oder Segen ist, wird sich herausstellen. Die Meinungen und Studien zu diesem Thema gehen jedenfalls sehr weit auseinander.

Frauen im Vorstand oder Aufsichtsrat sind noch immer eine Seltenheit. Das soll sich nun ändern, zumindest im Kontrollgremium. (Quelle: Flickr/Victor1558)

Frauen im Vorstand oder Aufsichtsrat sind noch immer eine Seltenheit. Das soll sich nun ändern, zumindest im Kontrollgremium. (Quelle: Flickr/Victor1558)

Gerade erst im Frühjahr dieses Jahres galt die gesetzliche Quote zunächst als begraben. Ein halbes Jahr später nun  – im Zuge der Koalitionsverhandlungen – schafft man es doch, sich zu einigen. In einer langen Sitzung zwar, aber immerhin kam die Koalitionsarbeitsgruppe für Frauen und Familie zu einem Kompromiss: 30 Prozent Frauen in den Aufsichtsräten börsennotierter und voll mitbestimmungspflichtiger Unternehmen – also mit mindestens 2000 Mitarbeitern – bis 2016. Das heißt, nur etwa 200 Unternehmen in Deutschland wird die starre Quote treffen. Für weitere 2000 Unternehmen, die einfach mitbestimmungspflichtig sind, soll es eine Flexi-Quote geben. Welche Maßnahmen sonst noch zur Förderung von Frauenkarrieren ergriffen werden sollen, ging aus den Koalitionsgesprächen nicht hervor.

Für die SPD und alle weiteren Anhänger der Quote ist das Ergebnis vermutlich unbefriedigend. 40 Prozent sollten es eigentlich sein, und zwar für Aufsichtsrat und Vorstand. Vorerst gibt man sich nun mit der Regulierung des Kontrollgremiums zufrieden. Einen derartigen Einschnitt in die Unternehmensführung, dass auch die Vorstandsbesetzung vorgeschrieben wird, traut sich bislang noch niemand. Das wiederum ist sicher ein Trost für die Quotengegner. Denn Bevormundung hilft auch nichts, wenn es keine Unternehmen gibt, die Mitarbeiter fördern, die sich auch um die Familie kümmern, sagt Oliver Stock vom Handelsblatt. Männer seinen nun mal diejenigen, die in der Lage sind, ohne Unterbrechung zu arbeiten und gelangen daher auch in die Führungspositionen.

Die meisten Aufsichtsräte sind männlich und trotzdem nicht „vom Fach“

Aber ob das Herz für oder gegen die gesetzliche Geschlechterquote schlägt, Angst haben muss vor ihr niemand. Top-Juristin Barbara Mayer beschreibt es als die Angst vor „unqualifizierten Goldröckchen“ und meint damit die Befürchtung, dass durch die Quote unfähige Frauen in Positionen kommen, die sonst qualifizierte Männer besetzen könnten. Spricht man von Unfähigkeit in Zusammenhang mit Frauen, wird auch oft die falsche Ausbildung gemeint. Denn eigentlich wünschen sich die Unternehmen mehr Fachkompetenz in ihren Aufsichtsräten – und Ingenieurinnen und Naturwissenschaftlerinnen sind schwer zu finden. Dass die meisten Aufsichtsratsposten allerdings trotzdem mit Juristen und Betriebswirten besetzt werden, obwohl männliche Ingenieure nicht gerade rar sind, verwundert offensichtlich niemanden.

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