Gesucht: 99 Spitzenkandidatinnen für die DAX-Aufsichtsräte

Wird die Frauenquote im Jahr 2016 wahr, fehlen 99 weibliche Aufsichtsräte auf der Aktionärsseite – vorausgesetzt, alle weiblich besetzten Mandate bleiben bis dahin auch in Frauenhand. Zu diesem Ergebnis kam kürzlich die Managementberatung Kienbaum in einer Studie. Für viele Frauen wird damit die Tür zu einer verantwortungsvollen Spitzenposition geöffnet – vorausgesetzt es finden sich ausreichend qualifizierte Kandidatinnen.

Die Bundesregierung möchte große börsennotierte Unternehmen dazu verpflichten, ihre Aufsichtsräte mit mindestens 30 Prozent Frauen zu besetzen. Demnach müssen in der Periode 2016 bis 2020 77 Unternehmen des Dax30, M-Dax, S-Dax und Tec-Dax in ihren Kontrollgremien mehr Platz für weibliche Aufseher machen. Insgesamt würden laut Kienbaum 99 zusätzliche Aufsichtsratsposten an Frauen gehen. Hierbei zählt natürlich nur die Anteilseignerseite, da die Arbeitnehmervertreter nicht von den Aktionären gewählt werden. Wo die 99 zusätzlichen Aufseherinnen herkommen ist noch unklar, aber sicher gibt es etliche qualifizierte Damen in den Startlöchern. Was bisher allerdings auffällt: unter den DAX30 Aufsichsträtinnen befinden sich vergleichsweise viele Töchter und Ehefrauen der Unternehmerdynastie oder Wissenschaftlerinnen.

Ein Aufsichtsratsmandat ist natürlich eine zusätzliche Belastung, weshalb sich Frauen häufig länger überlegen, ob sie sich diese zutrauen, als ihre männlichen Kollegen. Und manchmal auch zu lange. Entscheidungsfreudigkeit ist eine Kompetenz, die auch im Aufsichtsrat gefragt ist. Dieselbe Entschlossenheit sollte frau also auch bei sich selbst walten lassen, wenn sie an einem Posten im Kontrollgremium interessiert ist. Im Großen und Ganzen bringen Frauen, die sich in eine Führungsposition „gekämpft“ haben, gleiche Voraussetzungen für das Gremium mit, wie die Herren, sagt Monika Schulz-Strelow vom Verein FidAR. Außerdem verfügen sie über bessere Konfliktlösungsansätze und mehr sachbezogenes Herangehen an Inhalte.

Was die Quote bringt und ob sie umsetzbar ist, wird sich zeigen, wenn sie da ist. In anderen europäischen Ländern gibt es bereits höhere Quoten, deren Nichteinhaltung zum Teil auch hart geahndet wird – so zum Beispiel in Norwegen. Neben der Quote werden Unternehmen auch verpflichtet, eigene Maßnahmen zu entwickeln, wie der Anteil von Frauen im gehobenen Management und im Vorstand erhöht werden kann. Auch ohne verbindliche Quote wird es hier hoffentlich bald mehr Top-Positionen für Frauen mit Führungswille geben.

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