Nur wenige Frauen folgen dem Ruf der Wissenschaft

Frauen sind in nahezu allen professionellen Bereichen unterrepräsentiert – vor allem je höher man die Karriereleiter hinauf schaut. Aber ganz besonders deutlich wird der Mangel an Frauen in Führungspositionen, wenn man sich in der Forschungslandschaft umschaut. Warum ist es grade im akademischen Bereich so schwer für Frauen – und was können die Frauen selbst tun, damit sich das ändert.

Frauen dürfen heute studieren was sie wollen – soweit haben wir es immerhin schon geschafft. Und sie tun es auch. Denn schaut man sich die Zahl der Studierenden an, findet man in etwa ein 50-50 Aufteilung der Geschlechter. Bei den Absolventen verschiebt sich der Trend sogar leicht  zugunsten der Frauen. Aber auch wenn mehr weibliche Studenten ihr Studium abschließen, für die meisten endet hier die wissenschaftliche Karriere. Schon bei den Promotionen ist ein deutlicher, wenn auch nicht dramatischer Unterschied zu erkennen. Unter den Habilitierten in Deutschland sind dann schon drei Viertel Männer. Warum es dann allerdings von dem einen Viertel Frauen, die sich soweit durchgekämpft haben, noch mal ein großer Anteil verloren geht auf dem Weg zur Professur, ist unklar.

Oder ist es doch gar nicht so unklar? „Du kannst keinen Job bekommen, für den du dich nicht bewirbst.“ Dieser Ratschlag von Carol Black klingt zunächst banal, zeigt aber eines der vorherrschenden Probleme der weiblichen Karriere auf: das nötige Selbstvertrauen und Durchhaltevermögen. Und nicht nur sich selbst solange zu pushen, bis man die ersehnte Stelle hat, gehört zu ihrem Erfolgsrezept. Wenn man das Angebot bekommt, muss man die übertragene Aufgabe auch gut ausführen. Viele Hochschulen versuchen aktiv die Kluft zwischen weiblichen und männlichen Professoren zu verringern. Allerdings müssen die Frauen auch die Chancen ergreifen, die sich bieten, sagt Carol Black. Ärmel hochkrempeln und loslegen, lautet ihre Empfehlung. Nicht davonlaufen, wenn es schwierig zu werden droht.

Dass es schwierig ist, ist natürlich allen bewusst. Vor allem Frauen mit Familie oder Kinderwunsch scheint eine Wissenschaftskarriere oft unmöglich. Die Arbeitszeiten, der ständige Konkurrenz- und Publikationsdruck, Unsicherheit bei der Finanzierungsdauer des eigenen Projektes sind einige Gründe dafür. Susan Niemann, die Leiterin des Einstein Forums in Potsdam, hält die Diskussion zum Thema Kind und Karriere trotzdem für überholt – egal ob in der Wissenschaft oder Privatwirtschaft. Für die amerikanische Philosophin ist das eine Einstellungsfrage: Starke Frauen fördern starke Kinder, die viel früher selbständig sein können, als man erwartet. Sie selbst hat in Harvard promoviert, war in Yale Professorin und ist nun als einzige Frau Leiterin einer Forschungseinrichtung. Und das obwohl sie Mutter ist und noch nicht einmal einen High-School-Abschluss hat.

Um den Wissenschaftlerinnen ein wenig auf die Sprünge zu helfen, hat es sich zum Beispiel die L‘oréal Stiftung zur Aufgabe gemacht, Doktorandinnen mit Kindern zu unterstützen – durch einen monatlichen Finanzzuschuss, ein individualisiertes Karriere-Förderprogramm und Förderung der Forschungsarbeit.

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