Chefinnen gesucht!

Unternehmensnachfolge ist längst nicht mehr nur Männersache. Etwa jedes fünfte Unternehmen wird mittlerweile von einer Frau übernommen. Bei familieninternen Lösungen tritt in jedem zehnten Betrieb eine Tochter die Nachfolge an. Um vor allem Frauen noch mehr für das Thema Nachfolge zu sensibilisieren, findet heute der bundesweite Aktionstag „Unternehmensnachfolge durch Frauen“ statt – bereits zum sechsten Mal. In 200 Veranstaltungen deutschlandweit soll mehr Bewusstsein für diese attraktive Karrieremöglichkeit geschaffen werden.

Verantwortung für ein Unternehmen zu übernehmen ist eine Herausforderung, der sich immer mehr Frauen stellen. (Bild: flickr/le temple du chemisier)

Verantwortung für ein Unternehmen zu übernehmen ist eine Herausforderung, der sich immer mehr Frauen stellen. (Bild: flickr/le temple du chemisier)

„Juniorchefin“ – eine Herausforderung, der sich immer mehr Frauen stellen.Und das ist nicht nur aus demographischer Perspektive eine positive Entwicklung – bis 2018 werden rund 135.000 Unternehmen in Deutschland eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger suchen – sondern ist auch für qualifizierte Frauen eine hervorragende Möglichkeit, eine Führungsposition zu übernehmen. Die Alternative, eine Konzern-Karriere als angestellte Managerin, birgt bekanntlichermaßen einige Hürden nicht fachlicher Natur. Durch eine Firmenübernahme, egal ob familienintern, aus einem Mitarbeiterverhältnis heraus oder extern, werden gläserne Decken, Gehaltsdiskriminierungen und Co. umgangen. Und man muss sich im eigenen Unternehmen auch nicht als Quotenfrau fühlen.

Um Frauen zu ermutigen, diese besondere Führungsrolle zu übernehmen, hat die bundesweite gründerinnenagentur (bga) die Kampagne „Nachfolge ist weiblich“ ins Leben gerufen. Gemeinsam mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und dem Bundesministerium Familie, Senioren, Frauen und Jugend veranstaltet sie am heutigen Donnerstag zum sechsten Mal den bundesweiten Aktionstag „Unternehmensnachfolge durch Frauen“. In 200 Veranstaltungen – Workshops, Seminare, Beratungsgespräche und Podiumsdiskussionen – sollen Frauen, die als potentielle Nachfolgerin in Frage kommen, aber auch Firmeninhaber für das Thema sensibilisiert werden. Denn noch immer können sich viele männliche Seniorunternehmer nicht vorstellen, ihre Firma in Frauenhände zu geben, auch nicht in die der eigenen Tochter.

In vielen Fällen funktioniert die familieninterne Weitergabe des Chefsessels an die Tochter schon gut. Dass den Seniorunternehmern – meist Väter! – das Loslassen dennoch häufig schwer fällt, hängt wohl kaum davon ab, welches Geschlecht das nachrückende Kind hat. Dass Töchter aber besonders hart durchgreifen können, um ihre Freiheit als neue Chefin zu behaupten, zeigt Sophia von Rundstedt. Seit 2011 ist die Juristin alleinige Geschäftsführerin der Personalberatung von Rundstedt, die ihr Vater vor knapp 30 Jahren gründete. Damit ihr Vater wirklich loslassen konnte, musste er aus der Firma ausziehen, zunächst in eine befreundete Kanzlei, später ins Home Office. In einem Interview mit Saal Zwei erzählt sie, dass auch viel diskutiert wurde im Zuge der Nachfolge. „Aber am Ende hatten wir immer ein Ergebnis, mit dem alle leben können.“

 

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