Hoch hinaus im Mittelstand

Über die Vorstandsetagen der DAX-Konzerne sind erst kürzlich wieder erschreckende Zahl veröffentlicht worden. Nur knapp über 5 Prozent der obersten Manager sind weiblich. Für Frauen, die hoch hinaus wollen, noch immer ein Ziel, das nur schwer zu erreichen ist. Erfolgsversprechender ist da möglicherweise eine Karriere im Mittelstand.

Jedes Jahr gibt es unzählige Rankings, welches die beliebtesten Arbeitgeber bei Absolventen und Professionals sind. Mittelständische Betriebe sucht man in diesen Listen vergeblich. Die TOP 3 Arbeitgeber kommen aus der Automobilindustrie, immer noch die beliebteste Branche in Deutschland. Es gibt leichte Unterschiede was die Präferenzen von Wirtschaftswissenschaftlern und Ingenieuren angeht, aber die Tendenz ist dieselbe. Die Kriterien nach denen die Jobsuchenden ihren Traumarbeitgeber auswählen sind unter anderen Gehalt, Auslandsoptionen und die Möglichkeit, Führungsverantwortung zu übernehmen.

Ob es bei einem kleineren Unternehmen, die Möglichkeit gibt, ins Ausland zu gehen, muss von Fall zu Fall angeschaut werden. Dabei findet man viele Hidden Champions, also kleine Betriebe, die auf ihrem Gebiet Marktführer sind und oft auch Büros im Ausland haben. Die Gehaltsaussichten sind bei den KMU (Kleine und Mittelständische Unternehmen) natürlich oft erst einmal geringer als bei den Großen. Aber gerade für Frauen ist das häufig nicht der ausschlaggebende Faktor. Für sie sind Arbeitsklima, soziale Verantwortung des Unternehmens und Work-Life-Balance ebenfalls starke Einflussfaktoren. Und gerade Familienunternehmen sind dafür bekannt, dass sie nachhaltig wirtschaften und an ihre Mitarbeiter denken – nicht nur an das nächste Quartal. Das beeinflusst die Arbeitsplatzsicherheit positiv und damit natürlich auch das Betriebsklima.

Zu den mittelständischen Betrieben – worunter ein Großteil Familienbetriebe sind – zählen solche mit bis zu 500 Mitarbeitern und 50 Millionen Euro Jahresumsatz. Bei etwa 20 Prozent dieser Firmen stehen bereits heute Frauen als Hauptinhaber an der Spitze. Dass generell der Frauenanteil in Positionen mit Führungsverantwortung bei den KMU (Kleine und Mittelständische Unternehmen) deutlich über dem in Großkonzernen liegt, braucht man da eigentlich gar nicht mehr zu erwähnen.

Neben flachen Hierarchien und guten Aufstiegschancen bringen kleinere Betriebe viele andere Vorteile mit. Die Jobs zeichnen sich durch eine geringere Spezialisierung aus. Man ist als Mitarbeiter nicht für einen winzigen Teilbereich zuständig, sondern viel mehr Teil des gesamten Betriebes. Jeder kann – und muss – in alle Bereiche des Unternehmens reinschauen. Endlose Meetings ohne erkennbaren Grund kann sich ein kleiner Mittelständler in der Regel nicht leisten. Darüber hinaus sind sie häufig auch innovativer und flexibler als große Konzerne. Dadurch kann man oft schneller etwas bewegen, bekommt Veränderungen, Höhen und Tiefen viel intensiver mit. Das wiederum beschleunigt die Lernkurve.

Aber natürlich hat es neben den geringeren Verdienstchancen auch noch andere Nachteile, beim „Motor der deutschen Wirtschaft“ zu arbeiten. Wiedereinstiegsprogramme nach der Babypause oder Betriebskindergärten gibt es dort beispielsweise seltener. Was für jede Frau am besten passt, hängt von der individuellen Lebensplanung ab. Aber zumindest ein paar ernsthafte Überlegungen ist eine Karriere im Mittelstand wert.

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