Was West von Ost lernen kann – und umgekehrt

Die Schwierigkeit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Deutschland ist ein Dauerbrenner. Hauptsächlich für Frauen stellt sich irgendwann die Frage: Kind oder Karriere. Aber muss das wirklich eine „Entweder-Oder-Entscheidung“ sein?

Die Einstellung zu diesem Thema und damit auch die Umsetzbarkeit, unterscheidet sich stark zwischen Ost und West. In den alten Bundesländern herrschen noch die traditionellen Rollenmuster vor, während es in einer Partnerschaft in den neuen Bundesländern gleichberechtigter zugeht. In fast der Hälfte der ostdeutschen Haushalte (44,5 Prozent) tragen beide Partner etwa gleich viel zu Familieneinkommen bei. Der Anteil an kinderlosen Frauen im Osten des Landes ist dennoch deutlich geringer als im Westen.

Für Frauen im Osten scheint also die Vereinbarkeit von Beruf und Familie kein Spagat, sondern eine Selbstverständlichkeit zu sein. Die Gründe dafür sind vielfältig und liegen nicht nur bei den Frauen selbst, sondern vor allem auch im Umfeld. In der Partnerschaft ist die Unterstützung der Berufstätigkeit der Frau durch die Männer eine Selbstverständlichkeit. Der Großteil der Väter in den neuen Bundesländern wünscht sich keine Hausfrau an seiner Seite, sondern eine berufstätige Partnerin – und packt dafür auch bei der Kindererziehung und im Haushalt mit an. Außerdem ist die Akzeptanz, die Kinder in eine Tagesbetreuung zu geben, sehr viel größer. Dadurch fühlen sich Mütter im Osten nicht in der Rabenmutter-Rolle, wie es viele Frauen im westdeutschen Teil erfahren.

Karriere zu machen bedeutet für jeden etwas anderes

Was es den Frauen in Ostdeutschland zusätzlich erleichtert, trotz Kindern Karriere zu machen, ist ihre Begriffsdefinition. Karriere heißt für sie Vollzeit zu arbeiten, gut in dem zu sein, was sie machen und damit signifikant zum Familieneinkommen beizutragen. Karriere bedeutet für sie allerdings nicht gleich CEO zu werden. Mit dieser Gelassenheit, den Berufsweg soweit voranzutreiben, wie es eben mit Familie geht, fällt der Start möglicherweise leichter.

Bei der ganzen Diskussion darf man allerdings nicht vergessen, dass jeder – ob Frau oder Mann – selbst entscheiden sollte, ob und wie man die Karriere für die Familie zurückstellt. Das traditionelle Modell ist nicht zwangsläufig für jeden schlecht. Und die Mütter sollten sich nicht in die Karriererolle gezwängt fühlen, wenn sie es eigentlich für sinnvoller und erfüllender finden, sich um ihre Kinder zu kümmern. Und wie gesagt: den Begriff Karriere sollte jeder für sich selbst definieren.

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