Geht Frauenförderung nur per Gesetz?

Wie kann das Ziel „Mehr Frauen in den Führungsetagen“ erreicht werden? Was kann die Politik dazu beitragen? Brauchen wir ein Gesetz oder reicht eine Selbstverpflichtung der Unternehmen? Das Thema ist ein Hin und Her und eine ideale Lösung scheint noch immer nicht gefunden.

Die Frauenquote ist ein Thema, das viele mittlerweile nicht mehr hören können. Die Gegner nicht, weil sie eben dagegen sind. Die Befürworter nicht, weil es ständig auf und ab geht und doch nichts passiert. Wir haben zuletzt vor genau einem Jahr zu dem Thema geschrieben. Damals ging es darum, wichtige Punkte zur Frauenförderung, wie etwa die Frauenquote für Aufsichtsräte, im Koalitionsvertrag zu verankern. Und wo stehen wir jetzt, ein Jahr später? Gefühlt noch immer am Anfang.

Deshalb haben sich die Vertreterinnen der zehn führenden Spitzenfrauenverbände heute in einem offenen Brief an die Bundeskanzlerin Angela Merkel gemeinschaftlich für die Frauenquote und für eine schnelle Verabschiedung des „Gesetzes für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen“ ausgesprochen. In dem Brief wird Frau Merkel daran erinnert, dass sie sich seit Langem für eine gesetzliche Regelung ausspricht und dass sich die Frauenverbände nun auf sie verlassen würden. Sie tragen den Gesetzesentwurf mit, heißt es in dem Schreiben, obwohl viele Mitglieder eine „deutlich weitergehende Regelung mit schärferen Sanktionen für die Führungsgremien der großen deutschen Unternehmen“ gefordert hätten.

Was steht denn drin in dem Gesetzesentwurf? Eine feste Quote von 30 Prozent für börsennotierte und mitbestimmungspflichtige Unternehmen, soll es ab 2016 geben. Das ist schon länger bekannt. Aber nicht nur für das Kontrollgremium sondern auch für den Vorstand und andere Managementebenen soll es Vorgaben geben – und zwar schon ab kommendem Jahr. Die betroffenen Unternehmen sollen „verbindliche Zielgrößen für die Erhöhung des Frauenanteils im Aufsichtsrat, Vorstand und in den obersten Management-Ebenen“ festlegen. Ab 2015 geht es dann an die Umsetzung dieser selbstgesetzten verbindlichen Vorgaben. Im gleichen Jahr soll auch das Gesetz in Kraft treten. Wir sind gespannt.

Was macht die Quote zu einem Dauerbrenner? Beide Seiten haben nicht ganz abwegige Argumente! Hier zum Schluss eine kurze Übersicht der wichtigsten Pros und Contras – ohne Garantie auf Vollständigkeit. Teilen Sie uns Ihren Meinung zu diesem Thema mit!

Pro Contra
Ohne Quote wird es keinen Anstieg der Frauen in Führungspositionen geben, da über 10 Jahre Selbstverpflichtung der Industrie keinen Erfolg gezeigt haben. Für viele deutsche Firmen sind die relevanten Fächer technisch – Elektrotechnik, Informatik, Maschinenbau. Hier gibt es nur etwa 10 Prozent Studentinnen, wo sollen da 30 Prozent Frauen in der Wirtschaft herkommen?
Gemischte Teams sorgen für ein besseres Klima und machen das Unternehmen erfolgreicher. Wer soll die 3500 Unternehmen, die von der Quote betroffen sind überwachen? Der bürokratische Aufwand ist zu groß.
Wenn erst eine kritische Masse erreicht ist, wird Frauenförderung ein Selbstläufer, da Männer Männer und Frauen Frauen fördern. Um in eine Führungsposition zu kommen, zählt Leistung – Frauen, die entsprechende Leistung erbringen, werden auch ohne Quote dorthin kommen.
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