Aufsichtsratsposten für qualifizierte Frauen vakant

Ob man dafür oder dagegen ist, ist nun eigentlich egal. Die Frauenquote kommt, und zwar bald. Ab 2016 müssen alle mitbestimmungspflichtigen Unternehmen bei der Besetzung ihrer Aufsichtsratsposten eine Quote von mindestens 30 Prozent einhalten. Das ist eine große Chance für alle qualifizierten Frauen, in die Männerdomäne Aufsichtsrat – gern auch als Altherrenclubs bezeichnet – vorzudringen.

Diese Chance sollte genutzt werden. Nichts wäre trauriger für das weibliche Geschlecht, als wenn nach jahrzehntelanger Diskussion, ob man den Unternehmen nun vorscheiben kann, wen sie an ihre Spitze zu stellen haben, sich keine geeigneten Damen finden. Denn Kritiker der Quote bezweifeln, dass genügend kompetente Frauen auf diesem Planeten zu finden sind, um den Bedarf zu decken. Nun sollte auch hart daran gearbeitet werden, diese Befürchtungen zu entkräften.

Die etwa 99 vakanten Mandate müssen natürlich nicht alle auf einen Schlag besetzt werden, sondern immer dann, wenn auf der Hauptversammlung neue Aufsichtsratswahlen anstehen. Frauen, die die Voraussetzungen für ein solches Mandat erfüllen, haben also noch etwas Zeit, um sich gezielt darauf vorzubereiten – zum Beispiel mit speziell darauf ausgerichteten Seminaren. Als eine wichtige Qualifikation für das Kontrollgremium wird noch immer die Erfahrung als Vorstandsmitglied angesehen, und bekanntermaßen, sind dort bisher nicht so viele Ladies zu finden. Aber diese Kompetenz macht nur einen Teil aus, sagt Aufsichtsratsexperte Peter Ruhwedel und muss dementsprechend nicht zwingend von jedem Mitglied erfüllt werden. Und schaut man sich mal um, wer so alles in einem DAX-Aufsichtsrat zu finden ist, wird man neben dem einen oder anderen Politiker noch andere Herren finden, die bisher keinem Vorstand angehörten.

Aber warum soll es eigentlich keine Frauenquote für Vorstände geben, fragt sich vielleicht der eine oder die andere? Schließlich sind die Aufsichtsräte mit ca. 17 Prozent Frauen gar nicht so schlecht aufgestellt, wenn man dagegen sieht, dass die Vorstandsetagen bei 5 bis 6 Prozent rumdümpeln. Sind die Aufsichtsräte nicht so wichtig? Schließlich stellen sie doch die Eigentümer-Vertreter der Unternehmen? Ganz einfach: so etwas könnte keiner durchsetzen, da sich die Unternehmen mit Händen und Füßen wehren würden. Wie sie es jetzt auch zum Teil tun, denn in die unternehmerische Entscheidung per Gesetz einzugreifen, ist eine Bevormundung, die nicht nur positive Auswirkungen mit sich bringt. Daher ist selbst die einzige DAX-Chefkontrolleurin, Simone Bagel-Trah (Henkel), gegen eine starre Quote. In der Politik hingegen sind einige davon so begeistert, dass es nun auch bald eine Frauenquote in der Bundeswehr geben soll. Denn dass es beim zukünftig „attraktivesten Arbeitgeber“ nur eine Generälin gibt, daran möchte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyer gern etwas ändern.

Und nicht zuletzt muss man sich fragen, wo knapp ein Drittel Frauen herkommen sollen – ohne dass es ungerecht wird, den Herren gegenüber. Das Hauptaugenmerk liegt natürlich auf den DAX-Unternehmen. Und mehr als die Hälfte der DAX30 Konzerne sind technisch ausgerichtet. Schaut man sich mal in den Hörsälen der Unis um, wieviele Frauen dort in den Fächern Elektrotechnik, Maschinenbau oder Informatik zu finden sind, kommen einem die 30 Prozent plötzlich schwindelerregend hoch vor. Zwischen 10 und 15 Prozent weibliche Studenten wird man dort finden. Und vor 20 Jahren – damals haben die heutigen Topmanager studiert – sah es noch ein wenig schlechter aus. In den Führungsetagen wünscht man sich allerdings am liebsten die Hälfte Frauen. Das kann nur mit einer Benachteilung der Männer einhergehen.

Dennoch brauchen wir die Quote möglicherweise, um mehr Bewusstsein zu schaffen dafür, dass Frauen durchaus auch gute Manager und gute Chefs sind. Denn auch wenn es vielleicht über das Ziel hinaus geschossen ist, 30 Prozent zu verlangen: die Frauen, die da sind und fähig sind, nach oben zu kommen, erfahren häufig Widerstände, bekommen Steine in den Weg gelegt oder werden einfach nicht ernst genommen. Die Frauenquote „ist als Türöffner für qualifizierte Frauen notwendig, um endlich einen fairen Konkurrenzkampf in den Chefetagen zu haben“, sagt die Vorsitzende des Frauenverbands BPW Henrike von Platen dazu. Denn ist die Tür erst einmal offen und sind mehr Frauen im Entscheidungsprozess bei der Besetzung der Vorstandsposten beteiligt, dann wird sich in den Chefetagen auch endlich etwas tun – so die Theorie. Nicht nur Männer – die zu recht eine Benachteiligung fürchten – sondern auch Frauen, stehen dieser Theorie allerdings noch skeptisch gegenüber und erwarten gar keine große Veränderung ihrer bisherigen Situation.

 

 

 

 

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