Frauen haben zu viel Angst davor, nicht gemocht zu werden

Wer ganz nach oben will, muss es ertragen können, dass es weiter unten Menschen gibt, die unzufrieden sind. Manchmal auch mit einem selbst als Chef. Diese Konflikte im sozialen Umfeld, wozu die Arbeit, auf der wir viel Zeit verbringen, definitiv gehört, können vor allem Frauen mitunter schlecht ertragen.

Von den Mitarbeitern und Kollegen – vermeintlich – nicht gemocht zu werden, ist etwas, das vor allem weibliche Vorgesetze gern vermeiden möchten. Und damit stehen sie dem eigenen beruflichen Erfolg im Weg. Denn Führungskraft sein heißt, es nicht allen recht machen zu können. Und das ist auch nicht ihre Aufgabe. Das Wohl der Firma und damit aller Angestellten insgesamt sollte das Handeln einer Chefin oder eines Chefs bestimmen – nicht das Ziel everybody’s darling zu sein.

Hinter der Aussage: „Ich kann kein Team leiten“ steckt häufig die Angst, unbequeme Entscheidungen treffen zu müssen, meint Führungskräftetrainerin Siegrid Meuselbach. Hinzukommt, dass es auf dem Weg nach oben immer „einsamer“ wird, was viele Frauen ebenfalls nicht wollen. Ganz oben ist man allein, was bedeutet dass man Entscheidungen in völlig eigener Verantwortung treffen muss. Und die Konsequenzen in Kauf nehmen! Das bedeutet unter Umständen, nicht mehr die allseits geliebte Kollegin zu sein, sondern die knallharte Chefin. Wer also Karriere machen möchte muss lernen, nicht mehr für alles gelobt zu werden. Die Bestätigung, einen guten Job zu machen, erhält man als Führungskraft nicht daher, dass sich alle lieb haben – und alle den Chef. Eine gute Führung zeigt sich in einem respektvollen und produktiven Arbeitsumfeld und in guten Ergebnissen und Zahlen. An diese Art von Wertschätzung müssen sich viele Frauen, die eher harmoniebedürftig eingestellt sind, erst gewöhnen.

Natürlich entziehen sich auch Männer gern der Verantwortung unliebsamer Entscheidungen. Sie verzichten dazu allerdings nicht auf eine Führungsposition, sondern finden andere Wege. Hierzu gehört zum Beispiel die Legitimation unumgänglicher Reformen im Unternehmen durch externe Berater. Wenn es etwa darum geht Stellen abzubauen, versteckt man sich gern mal hinter einer großen Consulting-Firma a la „McKinsey hat gesagt!“ So kann die Wut der Mitarbeiter möglicherweise umgelenkt werden vom Vorgesetzten auf die Berater.

Dass es auf der anderen Seite auch viele Vorgesetze gibt, die es ihren Mitarbeitern nicht leicht machen, sie zu mögen, steht auf einem anderen Blatt. Denn so wie es Menschen gibt, die um jeden Preis gemocht werden wollen, gibt es auch viele, die sich offenbar genau das Gegenteil zum Ziel gesetzt haben. 88 Prozent der deutschen Arbeitnehmer klagen über Probleme mit dem Chef. Nicht immer den Focus darauf zu haben, von seinen Mitarbeitern geliebt zu werden, heißt im Umkehrschluss nicht, dass man respektlos, unfreundlich oder rücksichtslos mit dem Personal umgehen darf. Das schwächt die Arbeitsmoral und ist ganz sicher nicht im Sinne des Unternehmens.

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