Kinder (-losigkeit) als Egotrip?

Wer keine Kinder hat, wird häufig als egoistisch oder narzisstisch bezeichnet. Selbstverwirklichung um jeden Preis, und zwar auf Kosten der Gesellschaft. Schließlich haben wir einen Generationenvertrag und wer später Rente haben will, soll auch etwas dafür tun. Nämlich Kinder bekommen! Und irgendjemand muss ja auch arbeiten, wenn wir nicht mehr können – essen ranschaffen, die Alten pflegen und was sonst so anfällt.

So weit, so gut! Aber ein bisschen klingt das so, als würde man den Kinderlosen per se unterstellen, sie hätten ein schöneres Leben. Mehr Zeit, mehr Geld, mehr Spaß. Während sich Eltern bewusst für ein anstrengenderes, entbehrungsreiches Dasein entschieden hätten, um den Fortbestand unserer Spezies zu sichern. Dabei hört man doch die meisten Menschen mit Kindern sagen, dass es das Großartigste ist, was sie sich vorstellen können, Kinder zu haben. Wo ist also das Opfer?

Dass Kinder zu haben automatisch bedeutet, sich für die Gemeinschaft aufzuopfern, ist also vielleicht nicht ganz richtig. Genauso wenig, wie sich die Kinderlosen nur – ganz egoistisch – auf dem Leid derer ausruhen, die Nachwuchs für die Versorgung der Alten heranziehen. Wer lieber 12 Stunden jeden Tag in der Firma arbeitet, schafft doch auch einen Mehrwert für die Gesellschaft! Hauptsächlich sind es Frauen, die sich die Fragen und Vorwürfe, ob sie denn nicht auch endlich mal zum Erhalt der Menschheit beitragen wollen, gefallen lassen müssen. Gleichzeitig hören sie von allen Seiten, dass sie Karriere machen, sich nicht unterkriegen lassen und erfolgreich seien sollen. Was denn nun?

Alles gleichzeitig natürlich! Aber wie altruistisch ist es, sich ein Kind anzuschaffen – oder am besten gleich zwei oder drei – und sie dann von der Nanny großziehen zu lassen? Weil so aufopfernd will man ja dann auch nicht sein, komplett auf die eigene Karriere zu verzichten. Deutschland braucht mehr Kinder, das ist richtig. Aber Kinder brauchen auch ihre Eltern. Wer es allerdings schafft, seine Kinder möglichst gut weg zu organisieren, wird komischerweise selten als Egoist bezeichnet, sondern erhält Zuspruch, wie effektiv er sein Leben gestaltet.

Unternehmen wie Apple und Facebook werden dafür kritisiert, dass sie sich mit dem Angebot, das Einfrieren von Eizellen für ihre weiblichen Angestellten zu bezahlen, zu sehr in die Privatsphäre der Mitarbeiter einmischen. Jeder andere – also die Gemeinschaft – darf sich aber sehr wohl in die Familienplanung einmischen, sei es durch den Egoismus-Vorwurf oder erhöhte Sozialabgaben für Kinderlose.

Kinderkriegen scheint in Deutschland also alles andere als Privatsache zu sein. Und egal wie man es macht – wenn man es sich denn aussuchen kann – so richtig recht machen, kann man es niemandem. Aber das sollte auch nicht Ziel der Entscheidung sein, es irgendjemandem recht zu machen – außer sich selbst. Denn nur man selbst muss mit den Entscheidungen leben, die man getroffen hat.

Werbung