Warum bekommen die Deutschen keine Kinder?

Nun ist es amtlich – oder zumindest durch eine Studie belegt: die Deutschen werden aussterben. Nicht morgen, aber in absehbarer Zeit. Denn sie weigern sich, Kinder zu bekommen. Die niedrigste Geburtenrate weltweit weist unser hochentwickeltes und vergleichsweise reiches Land auf.

Am Geld kann es also nicht liegen, dass es keinen Nachwuchs mehr gibt. Vorneweg sei gesagt: eine konkrete Antwort darauf, woran es denn dann liegt, gibt es auch in diesem Artikel nicht. Es kursieren aber viele Ideen darüber, was die jungen Männer und Frauen – vor allem die Akademiker – heute von der Reproduktion abhält. In erster Linie die Karriere! Heißt das im Umkehrschluss, dass die Franzosen oder die Amerikaner, die fast doppelt so viele Kinder in die Welt setzen wie wir, keine Karriere machen wollen? Dabei sind vor allem letztere viel mehr aufs Geldverdienen angewiesen, da es keine Zuwendungen vom Staat gibt, wenn man eine Familie gründet. Die USA war bisher eines von drei Ländern weltweit, in dem es keinen bezahlten Mutterschutz gibt. Elterngeld und kostenlose Kita-Plätze gibt es in anderen Ländern nicht – aber offensichtlich gibt es dort mehr Kinder. Sonst wären wir ja nicht auf dem letzten Platz.

Klar, Kinder sind teuer. Und halten einen gleichzeitig vom Geldverdienen ab. Aber ist das wirklich der Grund, warum sich junge Menschen gegen Kinder entscheiden. Ist unser genetisch verankertes Programm der Fortpflanzung so leicht auszutricksen? Schließlich halten einen Kinder vielleicht zehn Jahre vom uneingeschränkten Arbeiten und entsprechend hohen Verdiensten ab – unser Arbeitsleben dauert 40 Jahre und mehr. Genügend Zeit also, vor und nach der Reproduktionsphase die Kassen aufzufüllen.

Es ist also wohl eher eine Einstellungs- als eine finanzielle Frage. Wer gut ausgebildet und gerade im Job angekommen ist und dann „plötzlich“ ein Kind bekommt, wird kritisch oder auch mitleidig angeschaut. Frauen mit Kindern bekommen vielleicht Arbeit, aber in der Regel keinen Karriereposten. Sind es also möglicherweise gerade die unzähligen Benefits für die Angestellten – Kündigungsschutz während der Elternzeit, 14 Monate Elterngeld etc. – die die Arbeitgeber und kinderlosen Steuerzahler zu bösen Blicken veranlassen, wenn es heißt „Ich bin schwanger“. Und gar zu einer Pro-forma-Ablehnung im Vorstellungsgespräch führt, wenn man als Frau im gebärfähigen Alter einen anspruchsvollen Job sucht?

Ein Grund, sich für die Kinderlosigkeit zu entscheiden? Oder gibt es noch tiefgreifendere, psychologische Gründe? Berufstätige Mütter gelten hierzulande als Rabenmütter. Gleichzeitig bekommen Frauen rund um die Uhr erzählt, dass sie Karriere machen, sich selbst verwirklichen sollen. Eine Orientierungslosigkeit oder fehlende Identifikation mit ihrer Rolle in Beruf und Familie ist für viele Frauen die Folge. Die Entscheidung, lieber erstmal keine Kinder zu bekommen, um nichts falsch zu machen, liegt daher nahe – bis es irgendwann zu spät ist. In Ländern mit einer besseren Geburtenstatistik, etwa in Skandinavien oder den USA sind Frauen mit Job und Kind längst Normalität, keiner fragt sich: „Wie macht sie das?“ oder „Wie kann sie das machen?“. Weniger Zerrissenheit führt also möglicherweise zu mehr Bereitschaft, Familie zu gründen.

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