Wo sind die Männer in der Social Freezing Diskussion?

Wir können es drehen und wenden wie wir wollen, wenn nicht ein Wunder passiert, sterben wir aus. Social Freezing könnte ein kleiner Lichtblick sein – aber das soll am liebsten schnell wieder wegdiskutiert werden. Ja, Social Freezing birgt ein paar wenige Gesundheitsrisiken – die Pille auch. Ja, Social Freezing führt eventuell dazu, dass Frauen später Kinder bekommen – die Pille auch! Aber im Gegensatz zur Pille könnte die Fruchtbarkeitskonservierung dazu führen, dass Frauen überhaupt noch Kinder bekommen, wenn sie den „richtigen“ Zeitpunkt verpasst haben.

Das Thema Social Freezing schlägt Wellen. Hohe Wellen. Denn irgendwie fühlen sich viele Menschen hierzulande von diesem Thema bedroht. Zumindest wenn man den Berichterstattungen unserer seriösen Medien glaubt und vor allem deren Kommentatoren. Dann werden hier bald nur noch 60jährige Frauen durch die Straßen laufen, die sich an Kinderwägen festhalten, weil sie sich nach den Strapazen der Geburt kaum noch auf den Beinen halten können. Vielleicht läuft der 70jährige Vater nebenher, der auch keine große Stütze mehr ist. In den meisten Fällen gibt es den aber gar nicht, denn im Leben der Frau, die bis zum Wurf ihres – natürlich ersten – Kindes noch eine 70 Stunden Woche als Marketing-Leiterin hatte, war kein Platz für eine Partnerschaft. Deshalb hat sie sich für einen Samenspender entschieden, der das biologische Alter ihrer eingefrorenen Eizellen hat: 25.

Die karrieregeilen Frauen eben, die egoistischer Weise beides wollen: Erfolg im Job und Nachwuchs. Dank Social Freezing wird das möglich und der Großteil der Akademikerinnen wird sich dank Eizellenkonservierung das Kinderkriegen bis zum Schluss aufheben. Viele werden leer ausgehen, klar, schließlich ist es keine Garantie. Und diejenigen, bei denen es klappt, werden ihren Renteneintritt gemeinsam mit dem Schuleingang ihres Kindes feiern.

Weltuntergangsstimmung wegen Kryokonservierung von Eizellen

So das Horrorszenario! Seltsamerweise kommt der Mann als Familienvater in darin selten vor. Nirgends steht geschrieben: „Ihr zukünftigen Väter, denkt nicht so viel an eure Karriere und wartet nicht so lang, sondern macht euren Frauen endlich ein Kind! Sonst müsst ihr später auf den Spaß dabei verzichten und euren Kindern erzählen, dass sie im Reagenzglas gezeugt wurden.“ Sind die Männer ihren karrierewütigen Monsterfrauen, die ihre Eizellen einfach nicht rausrücken wollen, wann es die Natur so vorgesehen hat, hilflos ausgeliefert?

Es sind doch zum Teil auch die Männer, die jetzt noch keine Kinder wollen – lieber später! Erstmal prüfen, ob die Partnerin die richtige ist. Noch ein bisschen Karriere machen, das Geld lieber für ein schnelles Auto ausgeben oder eine Weltreise und eigentlich ist es ja auch schön, wenn man sich Samstagabend nicht darüber Gedanken machen muss, wer auf das Kind aufpasst. Warum heißt es also immer nur: „Frauen, bekommt doch einfach früh eure Kinder“! Dazu gehören ja, zumindest wenn man auf IVF und Samenbank verzichten möchte, immer noch zwei. Aber die Herren haben es ja nicht eilig. Ihre Zeugungsfähigkeit unterliegt keinem so strikten Verfallsdatum wie die Fertilität der Frau. Stellen sie dann irgendwann fest, dass die Partnerin bei dem ganzen Warten auf den richtigen Zeitpunkt zu alt geworden ist, nehmen sie sich einfach eine jüngere. Dass die Frauen sich hinhalten lassen, ist natürlich ihr Beitrag zur Misere! Aber mit purer Karriereversessenheit der Frauen hat das Spätgebären nicht unbedingt zu tun.

Die Fruchtbarkeit der Frau ist ein großes Mysterium zu sein

Vielmehr ist es Unwissenheit, Ignoranz und Verdrängung. Seit Jahrzehnten, also konkret seit Erfindung der Antibabypille, nimmt das Alter der Erstgebärenden kontinuierlich zunimmt – auch ohne Social Freezing! Die meisten jungen Menschen, so aufgeklärt und gebildet sie auch sind, wissen offenbar wenig über die Fruchtbarkeit der Frau. Vielleicht wollen sie es auch gar nicht so genau wissen. Sie hoffen lieber darauf, dass es bei ihnen mit 40 genauso gut klappt, wie bei den Promis oder den wenigen Beispielen in ihrem Bekanntenkreis, die in diesem Alter scheinbar mühelos schwanger geworden sind. Bis die bittere Erfahrung kommt, dass es eben nicht so leicht ist. Oder vielleicht auch schon unmöglich.

Egg Freezing kostet und birgt Risiken – so wie eigentlich alles

Und obwohl jeder jemanden kennt, der verzweifelt versucht ein Kind zu bekommen, wird Social Freezing nicht gern gesehen. „Geldmacherei“ wird diese Kinderwunschbehandlung beschimpft. Sobald jemand Geld an etwas verdient, muss es ja automatisch schlecht sein. Dabei ist es nichts anderes, als eine „normale“ künstliche Befruchtung – hinzukommen etwa 300 Euro im Jahr für die Zwischenlagerung der Eizellen. Die Risiken werden auch besonders gern herausgestellt. Schließlich ist keine medizinische Notwendigkeit für den Eingriff gegeben. Aber was ist mit den Gesundheitsrisiken, die die Antibabypille mit sich bringt? Auch hier gibt es keinen medizinischen Grund. Trotzdem nehmen Millionen Frauen das Risiko auf sich und kaum einer plädiert dafür, diese „Kinderwunschbehandlung“ abgeschafft wird.

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