Pink Ghetto-Mythos Personalvorstand

Frauen im Vorstand sind selten genug. Mehr als die Hälfte der DAX30 Unternehmen haben kein einziges weibliches Vorstandsmitglied. Immerhin drei der ganz großen kommen auf zwei Frauen (Lufthansa, Munich Re und Siemens) und die Deutsche Bank zieht nach und wird den Frauenanteil im Vorstand im nächsten Jahr von null auf zwei anheben. So weit so gut! Oft wird jedoch der Fakt, dass es überhaupt Frauen im Vorstand gibt, überschattet von dem Unmut darüber, dass sie „nur“ die Ressorts Personal und Marketing besetzen dürfen.

Frauen im Vorstand bekleiden meistens die Bereiche Personal oder Marketing

Frauen würden sich also immer in dem „Pink Ghetto“ bewegen, heißt es oft. Gemeint sind damit eben solche Unternehmensbereiche, die stereotyp weiblich sind. Paradebeispiel dafür ist der Personalbereich, direkt darauf folgt das Marketing. Fast klingt es so, als wäre Personal oder Marketing kein richtiger Job. So hat auch die KPMG in ihrem Positionspapier „Frauenquote in Aufsichtsrat und Vorstand“ das Pink Ghetto als Stolperstein für die Karriere bezeichnet. Okay, viele CEOs werden aus dem Finanzressort rekrutiert und nicht aus dem Personalbereich. Wer also an die absolute Spitze möchte, tut besser daran, nicht den HR-Bereich für sich zu wählen. Aber unabhängig davon, ist es doch Grund zur Freude, dass überhaupt Frauen den steinigen Weg bis in einen DAX30 Vorstand geschafft haben.

Abgesehen davon ist das Personal in einem Unternehmen in der Regel die wichtigste Ressource – und gleichzeitig die, die am schwierigsten zu handhaben ist. Hängt nicht der Unternehmenserfolg von den fähigen Mitarbeitern ab? Woher diese nehmen, in Zeiten des angeblichen Fachkräftemangels. Home Office, Teilzeitmodelle, Sabbatjahr – jeder Mitarbeiter möchte etwas anderes und nur zufriedenstellende Arbeitsmodelle können die Mitarbeiter halten. Auf der anderen Seite betreffen große Krisen und Budgeteinsparungen als erstes wen? Das Personal! Also aus unserer Sicht klingt das Ressort Personal nach einer großen Herausforderung und nicht nach einem Puppenhaus, in dem sich große Mädchen austoben dürfen, die nicht mit Druck, Verantwortung und Zahlen umgehen können.

Personalführung läuft nebenbei

Dass Frauen gern den Personalbereich leiten dürfen, hängt vermutlich auch von seinem schlechten Ruf ab. Jobs in der HR-Abteilung sollen sogar karriereschädigend sein. Und ernst nimmt es sowieso keiner, bei den meisten DAX-Vorständen gibt es nicht einmal ein HR-Ressort. Irgendjemand bearbeitet das ungeliebte Thema einfach nebenbei mit. Hier kann man natürlich auch wunderbar aufstocken, um die Frauenquote zu erhöhen. Man bringt einfach mehr Frauen in Leitungsfunktionen des Personalsektors. Ein Teufelskreis, denn umso mehr Frauen in diesem Unternehmensbereich unterwegs sind, desto stärker wird es als Pink Ghetto angesehen. Dabei ist es alles andere als ein rosa Wölkchen sondern ein harter Job.

Aber: Frauen wählen ja offenbar auch ausgesprochen oft diesen Arbeitsbereich für sich aus. An den Türschildern der Personalabteilungsbüros wird man vorrangig weibliche Namen finden. Und hat frau die Wahl zwischen der IT Abteilung und der Marketing Abteilung, wird sie häufig in den Weg in den Marketingbereich wählen. Liegt es nun also daran, dass der Posten als Finanzvorstand für die Damenwelt versperrt ist oder dass die Frauen selbst einfach gern einen anderen Weg für sich wählen und lieber etwas mit Menschen als mit Zahlen zu tun haben möchten? Denn wer in seiner gesamten Karriere technische Abteilungen geleitet hat, wird nicht plötzlich zum Vorstand PR und Marketign berufen, oder?

Und letztendlich wissen wir spätenstens seit Simone Menne, dass der Job als Finanzvorstand nicht allein den Männern vorbehalten ist. Sie managt den Finanzbereich bei der Lufthansa und das sehr erfolgreich. Und soeben hat die Deutsche Bank bekannt gegeben, dass sie ab dem nächsten Jahr einen weiblichen IT Vorstand haben wird. Und zwar keine DAX30 Unternehmen, aber es gibt sie, die Technikvorständinnen, zum Beispiel bei der Deutschen Bahn und bei EWE.

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